Azoren Lexikon

São Miguel

São Miguel

São Miguel („Sankt Michael") ist angesichts der Größe (745 qkm), Einwohnerzahl (133.000) und Wirtschaftskraft die Hauptinsel der Azoren. Ihrem üppigen subtropischen Grün verdankt die Insel den Beinamen „Ilha Verde" (Grüne Insel). Die landschaftliche Vielfalt macht São Miguel ideal für ein erstes Kennenlernen des Archipels: waldreiche Gebirge, gewaltige Kraterkessel mit stillen Seen, liebliches Hügelland mit saftigen Wiesen und Feldern, und grandiose Küsten, an denen malerische Dörfer und historische Städtchen liegen. Die Küsten fallen vielfach steil und felsig zum Meer hin ab; die Nordküste ist dabei etwas rauer und schroffer als die eher liebliche, stellenweise fast mediterran wirkende Südküste, an der auch einige schöne Sandbuchten liegen. Brodelnde Fumarolen und heiße Quellen im Tal von Furnas zeugen von den vulkanischen Urgewalten. Die geschäftige Hauptstadt Ponta Delgada besitzt eine schöne Altstadt, die ganz in den Farben schwarz und weiß gehalten ist.

 

Ponta Delgada

Bereits 1499 wurde das ursprünglich bescheidene Fischerdorf Ponta Delgada („Schmale Landzunge") mit seinem Ankerplatz zur Kleinstadt (vila) erhoben. Angesichts des zunehmenden Seehandels erfolgte die Verlegung des Zollamtes 1518 von Vila Franca nach Ponta Delgada - eine entscheidende Aufwertung. Nach dem Erdbeben von 1522, das Vila Franca do Campo stark zerstört hatte, gewann Ponta Delgada weiter an Bedeutung und wurde 1546 zur Hauptstadt der Insel erklärt. Wie andere Häfen auf den Azoren wurde auch Ponta Delgada im 16. und 17. Jh. mit Forts zum Schutz vor Piratenangriffen befestigt. Westlich der „schmalen Landzunge" entstand 1552 die Hauptfestung São Brás, heute Sitz des Kommandos der azoreanischen Streitkräfte.

Im 17. und 18. Jh. entstanden viele neue Bauwerke in der Stadt. Ihre weiß getünchten Wänden mit dem schwarzen Fassadenschmuck aus Basalt verleihen Ponta Delgada ein unverwechselbares Gepräge. Das prosperierende Zeitalter des Orangenanbaus hat seine Spuren in Herrenhäusern und großen Parks hinterlassen, die im 19. Jh. am Rande der Altstadt entstanden. Hierzu gehört der Garten António Borges (heute Stadtpark), der Garten Jácome Correia mit dem neoklassizistischen Palast (seit 1977 Amtssitz des Präsidenten der Regionalregierung) und der Garten José do Canto mit Orangerie und Herrenhaus. Beispielhaft für den neoklassizistischen Baustil ist der Conceição-Palast (Ende 19. Jh.), der anstelle des gleichnamigen Klosters entstand und heute einen Teil der Regionalregierung beherbergt. Typisch portugiesisch ist das mosaikartige Gehwegpflaster der schmalen, langen Gassen mit seiner schwarz-weißen Ornamentik (ladrilhos; das schwarze Basaltgestein stammt von der Insel, der weiße Marmor vom Festland). Die historische Altstadt von Ponta Delgada steht heute vollständig unter Denkmalschutz.

Der Hafen an der „schmalen Landzunge", dem Ponta Delgada seinen Wohlstand verdankt, wurde ab 1861 durch einen neuen Kai ausgebaut. In der 2. Hälfte des 19. Jhs. siedelten sich Industriebetriebe in Ponta Delgada an und der Seeverkehr nahm stetig zu. Im 20. Jh. begann die Stadt eine immer größere Rolle als Dienstleistungs- und Verwaltungszentrum zu spielen. Die meisten Fakultäten der 1975 gegründeten Universität der Azoren befinden sich in Ponta Delgada, das seit 1976 auch Sitz der Regionalregierung ist.

Historische Keimzelle von Ponta Delgada ist die Praça Gonçalo Velho Cabral. Der von Arkadenbauten umgebene Platz entstand 1947-1956 durch Aufschüttung der alten Hafenbucht, der die Stadt ihre Gründung verdankte. Damals wurde die Uferpromenade (Avenida do Infante D. Henrique) entlang des neuen Hafens angelegt. Das dreibogige Hafentor (Portas da Cidade) von 1783, das heute auf der Nordseite der Praça Gonçalo Velho Cabral steht, erhob sich einst am alten Kai und wurde bei der Umgestaltung des Platzes umgesetzt. Jeder Ankömmling im Hafen musste früher unter seinen Bögen hindurch, um die Stadt zu betreten. Im mittleren Giebelfeld ist das Doppelwappen Portugals und der Stadt zu sehen. Auf dem Platz erhebt sich die Statue von Gonçalo Velho Cabral, dem ersten Legatskapitän (Gouverneur) von Santa Maria und São Miguel.

In den 1990er Jahren wurde die Avenida do Infante D. Henrique (Avenida Marginal) in östlicher Richtung bis zum neuen Jachthafen weitergeführt. Letztes großes Hafenprojekt, an das sich viele Hoffnungen knüpfen, ist die Neugestaltung des gesamten Hafenbereichs mit einem Kai für Kreuzfahrtschiffe, einem erweiterten Jachthafen und einem Ausstellungspavillon. Diese rund 50 Millionen Euro teuren „Portas do Mar" wurden im Sommer 2008 in einer feierlichen Großveranstaltung eingeweiht.

Hinter dem Hafentor schließt sich die Praça da República an. Nur wenige Schritte sind es zum barocken Rathaus (Paços do Concelho) mit Freitreppe und Glockenturm (Ende 17./Anfang 18. Jh.). Das Geläut der Rathausglocke bestimmte über Jahrhunderte den Lebensrhythmus der Stadt.

Die Stadtpfarrkirche (Matriz) São Sebastião in Ponta Delgada wurde 1531-1547 an der Stelle eines kleinen Vorgängerbaus errichtet, der ebenfalls dem heiligen Sebastian - dem späteren Schutzpatron der Stadt - geweiht war. Mit dem Bau des Gotteshauses waren Afonso Fernandes und andere Steinmetze beauftragt, die auch den weißen Kalkstein, der für die Portale sowie die Säulen und Bögen im Inneren benötigt wurde, vom portugiesischen Festland brachten. Das Hauptportal mit dem Eselsrücken-Bogen und den gedrehten Säulen ist ein schönes Beispiel für die Manuelinik. Zu den reichen Steinmetzarbeiten gehören das königliche Wappen und ein Schild mit den Pfeilen, die an das Martyrium des heiligen Sebastian erinnern. Im 18. Jh. wurde die Hauptfassade im Barockstil umgestaltet. Dabei wurden die beiden Seitenportale, die vier rechteckigen Fenster und die achtteilige Rosette eingefügt.

Im Inneren trennen Säulenreihen, auf denen Rundbögen ruhen, das Hauptschiff von den Seitenschiffen. Schöne Kassettengewölbe zieren Chor und Seitenkapellen. Typisch barock ist der holzgeschnitzte Hochaltar, der - ebenso wie Gemälde, weitere Schnitzereien und Fliesenbilder (azulejos) - im Laufe des 17. Jhs. das Gotteshaus bereicherten. Leider ist der Gesamteindruck nicht sonderlich überzeugend.

Bei Restaurierungsarbeiten in den 1950er Jahren wurden im nördlichen und südlichen Seitenschiff alte Portale freigelegt. Das Portal der Südwand im Manuelinischen Stil zeigt eine reiche figürliche Verzierung, die es noch interessanter macht als das Hauptportal der Kirche. Die beiden Medaillons mit den Büsten zweier gekrönter Häupter über dem Portal stellen möglicherweise König Johann III. (D. João III), der während der Erbauungszeit des Gotteshauses regierte, und seine Gemahlin Katharina von Spanien dar.

Prominent auf einem Hügel oberhalb des Hafens steht die Petruskirche (São Pedro). Das achteckige Gotteshaus (erste Hälfte 18. Jh.) besitzt einen einschiffigen Innenraum mit bemalter Decke. Den Hochaltar mit seinem holzgeschnitzten, vergoldeten Altaraufsatz ziert eine Statue des heiligen Petrus. Zu den schönsten Barockskulpturen auf den Azoren zählt die Schmerzensreiche Madonna (Nossa Senhora das Dores) in einer Seitenkapelle. In der Sakristei werden zahlreiche Votivgaben von Seeleuten verwahrt.

Mit einer mächtigen Fassade erhebt sich die Kirche São José des ehemaligen Franziskanerklosters an der Praça 5 de Outubro, dem einstigen Campo de São Francisco. Während das Klostergebäude in der Mitte des 19. Jhs. zum Krankenhaus umfunktioniert wurde und bis Ende des 20. Jhs. als solches diente, dient die Kirche bis heute als Gotteshaus. Der Kirchenbau geht auf die erste Hälfte des 16. Jhs. zurück. Im 18. Jh. entstand die heutige Fassade mit Portikus und drei Fensterreihen. Fünf in Kalkstein gemeißelte Flachreliefs zeigen Szenen aus dem Leben des heiligen Franziskus; in einer Nische unterhalb des Giebels steht eine Basaltstatue des Heiligen. Das Innere der Basilika beeindruckt durch den harmonischen Gesamteindruck. Besonders beachtenswert sind die bemalte Decke, die Fliesenbilder und das vergoldete Holzschnitzwerk im Chor.

Zierde der Praça 5 de Outubro ist der Musikpavillon (coreto). Daneben erhebt sich ein gewaltiger Eisenholzbaum (metrosidero) mit langen Luftwurzeln, die wie Bärte herabhängen.

Die Nordseite der Praça 5 de Outubro säumt ein weiteres Sakralbauwerk: das 1541 geweihte Klarissinnenkloster, der Convento Nossa Senhora da Esperança. Erst durch spätere Ausbauten entstand der auffällige quadratische Turm mit seinen vergitterten Fensterreihen. Im Chorraum sind herrliche Fliesenbilder aus dem 18. Jh. zu bewundern, die von António de Oliveira Bernardes, einem der größten Fliesenkünstler Portugals, geschaffen wurden. An den Chor schließt sich die Christuskapelle (Senhor Santo Cristo) an. Eingerahmt von vergoldetem Holzschnitzwerk steht hier das hochverehrte Christusbildnis. Schöne Fliesenbilder des 18. Jhs., die in der Königlichen Fabrik Rato entstanden, verzieren die Wände.

Das Christusbildnis bildet den Mittelpunkt des größten Kirchenfestes der Azoren, das alljährlich am fünften Sonntag nach Ostern stattfindet: die Festa do Senhor Santo Cristo dos Milagres. Zahlreiche Gläubige von nah und fern pilgern aus diesem Anlass nach Ponta Delgada. Höhepunkt der religiösen Feierlichkeiten ist eine Prozession mit der Christusstatue durch die mit prächtigen Blumenteppichen ausgelegten Straßen der Stadt. Tausende von Glühbirnen erhellen abends die Fassade des Esperança-Klosters mit schmückenden Motiven.

Die Verehrung des Christusbildnis reicht in den Beginn des 16. Jhs. zurück, als Nonnen im Vale de Cabacos an der kleinen Bucht von Caloura ein Klarissinnenkloster gründeten. Um sich das Kloster genehmigen zu lassen und den päpstlichen Segen zu erhalten, reisten zwei der Nonnen nach Rom. Als sie 1530 nach São Miguel zurückkehrten, hatten sie nicht nur die Erlaubnis, sondern auch ein Geschenk für das neue Kloster erhalten: ein Ecce Homo, das Jesus als holzgeschnitzte Halbfigur zeigt. Caloura war jedoch ständig von Piratenüberfällen bedroht, so dass die Nonnen schließlich das kleine Kloster verließen und 1541 in den neuerbauten Convento da Esperança zogen. Auf diese Weise gelangte das Christusbildnis nach Ponta Delgada. Größere Verehrung sollte es jedoch erst mit Schwester Teresa da Anunciada erlangen. Der Nonne, die dem Orden 1683 beigetreten war, erschien beim Gebet angesichts des Ecce Homo die Stimme Gottes. Bald verbreitete sich die Verehrung des Christusbildnis und die Kunde von Wunderheilungen. Das Kloster erhielt im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Geschenke von Gläubigen, darunter noch zu Lebzeiten von Schwester Teresa die mit Edelsteinen besetzte Dornenkrone, das Zepter und die Ähre des Christusbildnis. Viele weitere Schmuckstücke kamen nach und nach zum Kirchenschatz hinzu. Nicht nur auf den Azoren, auch unter azoreanischen Auswanderern genießt Senhor Santo Cristo dos Milagres große Verehrung.

Die Allerheiligen-Kirche (Todos os Santos) des mächtigen Jesuitenkollegs entstand der Bau Ende des 16. Jhs. am oberen Rand der Altstadt. Die imposante, reich verzierte Barockfassade wurde Mitte des 18. Jhs. erbaut, allerdings wegen der Vertreibung der Jesuiten aus Portugal nie vollendet. Im ehemaligen Kolleg sind heute die Bibliothek und das Archiv von Ponta Delgada untergebracht, während die gewaltige Kirche nach umfassender, sehr gelungener Sanierung das Museum der Sakralen Kunst beherbergt.

Das ursprünglich für den Klarissinnenorden erbaute Kloster Santo André war dem heiligen Andreas, dem ersten Schutzpatron von Ponta Delgada, geweiht und wurde um 1580 bezogen. Es bestand bis zur Auflösung der geistlichen Orden im Jahr 1834; danach wurde das Klostergebäude auf unterschiedliche Weise genutzt. Typisch für viele Klöster auf São Miguel ist der Aussichtsturm mit vergitterten Fenstern. Die drei Barockfenster in der Hauptfassade der Kirche gelten mit ihren Muschel- und Volutenornamenten als die schönsten der Azoren. Im Kloster ist das Museum Carlos Machado untergebracht, das über die Kultur und Geschichte der Azoren informiert.

Unter dem westlichen Stadtgebiet hindurch verläuft die insgesamt etwa 1,6 km lange Gruta do Carvão („Kohlenhöhle"). Diese vulkanische Lavaröhre kann besichtigt werden.

 

 

São Miguel von A-Z

 

Achada das Furnas

Oberhalb des Talkessels von Furnas erstreckt sich die Achada das Furnas, eine einsame, oft nebelverhangene Hochfläche mit saftigen Viehweiden.

 

Água de Pau

Nicht weniger als 30 Brunnen mit kristallklarem Wasser sprudeln in der kleinen historischen Ortschaft mit ihren schmalen Gassen. Beherrschend erhebt sich die Pfarrkirche Nossa Senhora dos Anjos auf einer Freitreppe. Im Inneren sind die schönen Fliesenbilder beachtenswert. Ein schönes Beispiel für einen Adelspalast des 18. und 19. Jhs. ist die Casa do Capitão.

 

Ajuda da Bretanha

Das Dorf im Nordwesten der Insel verdankt seine Gründung und den Namen ausgewanderten Bretonen, die sich hier im 16. Jh. niederließen.

 

Caldeira das Sete Cidades

Ein gewaltiges Vulkanmassiv, in dessen Mitte sich ein riesiger Kessel mit rund 12 km Umfang und durchschnittlich 500 m Tiefe öffnet, liegt im Westen von São Miguel. Benannt ist die Caldeira das Sete Cidades nach dem gleichnamigen Dörfchen tief unten im Kraterkessel. Sete Cidades heißt „Sieben Städte" ... angesichts der verschlafenen Häuseransammlung mit seinen gut 800 Bewohnern gewiss ein ambitionierter Ortsname. In dem idyllischen Dörfchen mit seiner neugotischen, 1857 geweihten Nikolauskirche stehen viele Häuser mit großen, außen angebauten Backöfen und breiten Schornsteinen. Außerdem sind Getreidespeicher (granelos) auf Stelzen zu sehen - erhöht zum Schutz vor hungrigen Nagern, aber auch wegen der Bodenfeuchtigkeit.

Inmitten des Kraterkessels, durch hohe Steilwände von der Außenwelt abgeschirmt, liegen zwei verschiedenfarbige Seen: die größere Lagoa Azul mit einer maximalen Wassertiefe von 33 m und die durch eine 1958 erbaute Brücke von ihr getrennte, sehr viel kleinere Lagoa Verde. Der Wasserspiegel liegt rund 260 m über dem Meeresspiegel. Als problematisch erweist es sich, dass die beiden Kraterseen - wie die meisten ihrer Art - keinen natürlichen Abfluss besitzen. Einerseits besteht die Gefahr der Wasserverschmutzung, weil sich Schadstoffe im Wasser ansammeln (u.a. durch ausgeschwemmten Dünger aus den umliegenden Feldern); andererseits trat das Gewässer früher bei starken Niederschlägen über die Ufer und bedrohte das Dorf. Zur Regulierung des Wasserstandes wurde 1930-1937 ein Entwässerungstunnel gebaut, der in 1,2 km Länge unter der Kraterwand hindurchführt und am Außenhang zutage tritt, von wo das Wasser durch die Grota do Alqueive ins Meer abfließt.

Wenn man den Blick über den See zu den einrahmenden grünen Steilhängen schweifen lässt, vergisst man, dass man sich auf einer Insel mitten im Atlantik befindet, und fühlt sich beinahe an einen Alpensee versetzt. Von mehreren Aussichtspunkten lässt sich diese Landschaft von unglaublicher Schönheit, Stille und Harmonie genießen. Der berühmteste ist der Miradouro da Vista do Rei („Königsblick"), benannt nach dem Besuch des portugiesischen Königs Karl (D. Carlos I) und seiner Gemahlin Amelie am 6. Juli 1901. Auf der Fahrt nach Sete Cidades hinab kommen der Miradouro da Lagoa de Santiago, der einen Blick auf den gleichnamigen Kratersee gewährt, und der Miradouro do Cerrado das Freiras mit schöner Sicht auf die beiden Seen in der Caldeira. Fast beängstigend tief (stellenweise über 200 m) liegt die Lagoa de Santiago inmitten extrem steiler, grüne Hänge. Der See soll nach Jakob dem Älteren, dem Schutzpatron Spaniens, benannt worden sein, weil man ihn bei etwas Furchteinflößendem anrief - genau dieser Eindruck erweckt der tiefe, dunkle Kraterkessel. 18 weitere Seen liegen versteckt in Mulden und Kesseln, die kleinere Vulkanausbrüche im südöstlichen Bereich der Caldeira geschaffen haben, so die Lagoa de Santiago, die Lagoa do Canário und die Lagoas Empadas. Hier erhebt sich auch der höchste Gipfel der Gegend, der Pico da Cruz (856 m).

 

Caldeiras da Ribeira Grande

Eine gepflasterte, von Platanen gesäumte Allee führt zu den Caldeiras da Ribeira Grande. Eingebettet in eine grüne Hangmulde liegt das kleine Thermalbad in malerischer Umgebung. Das historische Badehaus (Banhos da Coroa) stammt von 1811; daneben liegt ein dampfendes Thermalwasserbecken im Freien. Das schwefelhaltige Thermalwasser wurde einst zur Linderung von Hautkrankheiten und Rheumatismus angewandt. Weiter auf der schmalen Straße, die dem Tal der Ribeira Grande ins Gebirge folgt, erreicht man Lombadas. Hier im Quellgebiet der Ribeira Grande, umringt von hohen Berghängen, stehen die Ruinen der 1895 gegründeten Abfüllanlage der Mineralwasserquelle Lombadas.

 

Caldeira Velha

An den Hängen des Fogo-Massivs südlich von Ribeira Grande führt ein Abzweig von der Straße, die zum Pico da Barrosa ansteigt, zur versteckt im Wald gelegenen Caldeira Velha. Über eine Felswand, die von Baumfarnen und dichtem Grün umrahmt ist, stürzt ein 35 °C heißer Wasserfall dampfend in ein Staubecken herab - eine Oase von fast unwirklicher Schönheit. Das eisenhaltige Wasser hat die Felsen mit einem rostroten Farbton überzogen, ein kräftiger Kontrast zum satten Grün der Vegetation. An den Wochenenden finden sich hier viele Einheimische ein, um die warme Dusche in subtropischer Umgebung zu genießen, aber werktags hat man dieses paradiesische Plätzchen manchmal ganz für sich allein. Etwas flussabwärts brodeln Heißwasser- und Schlammsprudel am Bachlauf - Fumarolen, die zu einer bedeutenden geologischen Bruchzone gehören.

 

Caloura

Auf der abgeschiedenen Küstenniederung Caloura (früher Fajã de Vale de Cabaços) mit ihrem winzigen Fischerhafen steht ein kleines Kloster, das Anfang des 16. Jhs. von Nonnen gegründet wurde und der Schutzpatronin Portugals, Nossa Senhora da Conceição (Maria der unbefleckten Empfängnis), geweiht ist. Wegen der häufigen Piratenüberfälle zogen die Ordensschwestern schon wenige Jahre später nach Ponta Delgada, wo sie das Esperança-Kloster bezogen. Das alte Conceição-Kloster verwaiste und verfiel, doch nach rund einhundert Jahren nahte Rettung von Mönchen, die sich ursprünglich 1614 im Tal von Furnas niedergelassen hatten. 1630 sahen sich die Brüder durch einen Vulkanausbruch gezwungen, ihr Kloster zu verlassen. Sie bezogen schließlich das ehemalige, zu dieser Zeit längst in Ruinen liegende Nonnenkloster von Caloura, um es neu zu erbauen. Die Fassade des Kirchleins ist mit blauen Fliesen (17. Jh.) verkleidet, die eine außergewöhnliche Wirkung entfalten. In einer Nische steht eine Marienstatue der unbefleckten Empfängnis (Nossa Senhora da Conceição), die ein französischer Künstler, der seinen Lebensabend im Kloster verbrachte, Ende des 17. Jhs. geschaffen haben soll. Originell ist der Einfall, den man hatte, um die Symmetrie der beiden Glockentürme zu wahren: die ursprünglich fehlende rechte Glocke ist unecht und wurde aus Mörtel nachgebildet. Das bukolische, von Eisenholzbäumen vor den starken Küstenwinden geschützte Ensemble ist heute in Privatbesitz, da die Mönche das Kloster nach Auflösung der religiösen Orden in Portugal 1832 verließen. Das Kirchlein mit seiner sehenswerten Innenausstattung kann in den Sommermonaten besichtigt werden; Auskunft erteilt die Stadtverwaltung von Lagoa.

 

Capelas

Stattliche Herrenhäuser mit eigenen Hauskapellen, abgeschirmt durch hohe Mauern, und großen Ländereien liegen rings um Capelas. Ein Denkmal auf dem Platz vor der Pfarrkirche erinnert an die Walfänger, die einst von dem kleinen Fischerhafen an der Nordküste zur Jagd auf Pottwale aufbrachen.

 

Faial da Terra

In einer tiefen Talschlucht, die sich zur Küste hin fächerförmig verbreitert, liegt Faial da Terra. Der Ortsname - wörtlich „Gagelwald des Landes" - bezeugt, dass das Tal ursprünglich dicht mit den endemischen Gagelbäumen (Myrica faya) bestanden war. Der fruchtbare Talgrund hat schon sehr früh Siedler angezogen und 1522 zählte das Dorf bereits 374 Seelen; 133 Häuser sind für diese Zeit verbürgt. Sechs Mühlen standen einstmals an dem Fluss, der durch den Ort fließt. Das älteste Gotteshaus wurde 1597 von englischen Piraten gebrandschatzt. Einige Jahre danach wurde mit dem Bau der heutigen Pfarrkirche Nossa Senhora da Graça begonnen, die im späten 17. Jh. und nochmals im 19. Jh. erweitert wurde. Aufgrund der abgelegenen Lage des Ortes sind ab den 1970er Jahren immer mehr Einwohner weggezogen; viele Häuser stehen leer. Rund 1000 Einwohner hat Faial da Terra heute.

 

Fajã de Baixo

Heute ist es ein Vorort von Ponta Delgada, doch früher war Fajã de Baixo eine vornehme ländliche Wohngegend mit großen Anwesen und stattlichen Herrenhäusern. Hierzu zählen der Estalagem da Senhora da Rosa, der Solar do Calço da Furna, der Solar do Loreto und die Quinta da Bela Vista, die dem englischen Konsul William Read gehörte. Hier wurden bereits 1828 Ananaspflanzen kultiviert, für deren Anbau in Gewächshäusern die Gegend später berühmt wurde.

 

Furnas

Eingerahmt von hohen bewaldeten Talwänden liegt das Dörfchen Furnas inmitten eines grünen Kraterkessels, der ganze 6 km im Durchmesser misst. Die heiße Quellen, blubbernden Schlammsprudel (Fumarolen) und Dampfschwaden der Caldeiras das Furnas lassen die vulkanischen Urgewalten dicht unter dem Erdboden erahnen. Die heißen Quellen haben schon im 19. Jh. Besucher von nah und fern angezogen, die zur Kur oder Sommerfrische nach Furnas kamen. Auch die Brüder Bullar aus England, die 1838/39 sieben Monate auf den Azoren weilten und darüber einen amüsanten, äußerst lesenswerten Reisebericht verfassten, hielten sich häufig in Furnas auf. Wer es sich leisten konnte, errichtete sich eine Sommerresidenz mit Park. Zu den schönsten gehört das Chalet das Murtas, das José do Canto Ende des 19. Jhs. nach schweizerischem Vorbild von einem französischen Architekten erbauen ließ. Es ist von einem wunderbaren Garten im viktorianischen Stil umgeben (Privatbesitz).

Zugänglich ist hingegen der Parque Terra Nostra. Dieser zauberhafte Park geht in seinen Ursprüngen auf den amerikanischen Kaufmann und Vizekonsul Thomas Hickling zurück, der das Tal von Furnas als „a veritable prodigy of nature" - ein wahres Naturwunder - bezeichnete. An den heißen Quellen ließ er einen Garten anlegen, den er Jardim do Tanque nannte. Hier entstand sein einfaches Sommerhaus, die Liberty Hall (auch Yankee Hall genannt). Das Anwesen wurde 1842 von der Adelsfamilie Praia e Montforte erworben, die den Park im Stil des englischen Landschaftsgarten anlegen und erweitern ließ. Exotische Gewächse aus aller Welt hielten damals im Park Einzug. Die alte Liberty Hall musste einem schmucken Neubau, genannt Casa do Parque, weichen. Hier wurden elegante Feste gefeiert und Konzerte veranstaltet. In den 1930er Jahren erwarb die Familie Bensaúde das Anwesen, erbaute das Hotel Terra Nostra und machte den Park der Öffentlichkeit zugänglich. Schnell entdeckte die High Society das exklusive Urlaubsparadies mit seinen natürlichen Thermalquellen, und schon bald zierte der eigens kreierte Kofferaufkleber „Terra Nostra" das Reisegepäck der vermögenden Gäste aus aller Welt.

Märchenhaft sind die verschlungenen Wege und Alleen des 12,5 ha großen Parks, die zwischen üppigem Grün immer wieder neue Blickachsen erschließen. Zwei künstliche Grotten sind durch einen Wasserkanal miteinander verbunden, in dem sich prächtige Baumfarne spiegeln; weiße Schwäne ziehen gravitätisch durch das Bild. Den Marmorobelisken, auf den eine Allee zuführt, errichtete der Markgraf von Praia e Montforte. Dank des feuchtwarmen Klimas gedeihen prächtige Baumfarne, Palmfarne, Kamelien und viele andere exotische Gehölze. Am warmen Bachlauf, der am Rande des Parks verläuft, liegen Yamsfelder. Eine Besonderheit ist das von großen Araukarien gesäumte Thermalbecken mit gelblichem Wasser, das seine Färbung Eisenoxyden verdankt und dank seiner angenehmen Temperatur zum Baden einlädt.

 

Geothermische Kraftwerke

In den Bergen südlich von Ribeira Grande, dem vulkanisch sehr aktiven Fogo-Massiv, wurde 1978 eine 1200 m tiefe Versuchsbohrung gemacht, um das Potential der geothermischen Energie zu untersuchen. Man macht sich dabei zunutze, dass das Grundwasser durch das heiße Vulkangestein erhitzt wird; der entstehende Wasserdampf treibt eine Turbine zur Stromerzeugung an. Das erste geothermische Kraftwerk wurde 1980 nördlich des Pico Vermelho in Betrieb genommen, das zweite 1994 südlich davon an den Hängen des Fogo-Massivs. Sie liefern rund 25% des auf der Insel benötigten Stroms.

 

Gorreana

Von ganz anderem Charakter als die fast mediterran anmutende Südküste ist die Nordküste der Insel. Zahlreiche Bäche fließen in kleinen Schluchten zum Meer hinab, dichte Wälder ziehen an den Bergen empor. Ein kurzer Regenschauer, dann bricht die Sonne wieder zwischen den rasch dahinziehenden Wolken hervor. Kein Zweifel: an der feuchten Nordküste muss sich der Teestrauch wie zu Hause fühlen. Und da stehen sie auch schon in dichten Reihen, die geschorenen immergrünen Teesträucher an den sanften Hängen - hier liegt die Teeplantage von Gorreana. Eine Besichtigung der Teefabrik ist ein Eintauchen in längst vergangen geglaubte Zeiten. Rund 100 Jahre alte, hervorragend gepflegte Maschinen mit altmodischen Förderbändern rattern in den Fabrikhallen und geben Einblick in frühindustrielle Produktionstechniken. Gorreana ist so ein lebendiges Stück Industriegeschichte. In einem Nebenraum verpacken Arbeiterinnen den Tee von Hand; sorgsam wird jedes Tütchen abgewogen. Im Anschluss an die Besichtigung kann man frisch gebrühten Tee kosten oder verschiedene Teesorten mit ihrem leichten blumigen Aroma kaufen.

 

Lagoa

Der an der Südküste gelegene Ort verdankt seinem Namen einer Lagune (lagoa), die sich einst vor der Pfarrkirche Santa Cruz erstreckte, später jedoch in Ackerland umgewandelt und schließlich bebaut wurde. Das im 16. und 17. Jh. errichtete Gotteshaus birgt in seinem Inneren manuelinische Gewölbe über dem Altarraum und der Christuskapelle. Seit dem 19. Jh. ist Lagoa das Zentrum der azoreanischen Töpferei. Zwei erfahrene Töpfer und Fliesenhersteller aus Gaia (Porto) taten sich 1862 mit zwei azoreanischen Geschäftspartnern zusammen, um die erste Keramikfabrik zu gründen. Der Ton stammt traditionell von der Nachbarinsel Santa Maria, die Zutaten für die Lasur kommen vom Festland. Hergestellt wurden Gebrauchskeramik und Fliesen, aber auch dekorative Stücke. Der Einfluss der Töpferei von Gaia ist unverkennbar: vorwiegend geometrische Muster und Blumenmotive sind blau auf weißem Grund dargestellt. Die Fábrica de Cerâmica Vieira, in der das Töpferhandwerk noch lebendig ist, kann besichtigt werden. Angeschlossen ist ein Museum mit alten Werkzeugen und Töpferwaren.

 

Lagoa das Furnas

Oberhalb von Furnas, hinter einem kleinen Bergrücken verborgen, liegt die stille Lagoa das Furnas, der zweitgrößte Kratersee von São Miguel, still und friedlich auf 281 m Meereshöhe zwischen bewaldeten Berghängen. Am südlichen Seeufer spiegelt sich die Kapelle Nossa Senhora das Vitórias im Wasser, daneben steht ein Chalet im englischen Stil. Das idyllische Ensemble inmitten eines exotischen, über 600 ha großen Parks geht auf José do Canto zurück, der am See seine Sommerfrische verbrachte. Die Kapelle ließ er 1884-1886 in Erfüllung eines Gelöbnisses erbauen, nachdem seine Frau von schwerer Krankheit genesen war. In der Kapelle fand das Ehepaar schließlich seine letzte Ruhestätte. Ihr neuromanisch-neugotischer Stil ist ein typisches Beispiel für den Historismus. Der gesamte Fassadenschmuck stammt aus Frankreich und wurde in den Werkstätten von Angers gefertigt.

Auch an der Lagoa das Furnas täuscht der friedliche Eindruck, denn unter dem 12 m tiefen See kocht und brodelt die Erde. Schon von weitem verraten Dampfschwaden die Caldeiras da Lagoa das Furnas. Dieses am Seeufer gelegene Fumarolenfeld ist ein beliebtes Ausflugsziel. In Erdlöchern wird hier der berühmte Cozido nas Caldeiras à Moda das Furnas, kurz: Cozido nas Caldeiras (auch: Cozido das Furnas), zubereitet - ein schmackhafter Fleisch- und Gemüseeintopf, der durch die natürliche Erdwärme gar wird. Ganz unten in den Eintopf kommen Kartoffeln, darüber Gemüse (Weißkohl, Grünkohl, Karotten und Yams). Darauf folgen Rindfleisch und Hühnchen; ganz oben fettes Schweinefleisch und Kassler. Die in Säcke verpackten Töpfe werden unter der Obhut eines Gemeindewächters im Boden versenkt. Die Stelle wird sodann mit Erde abgedeckt; nach vier bis sechs Stunden wird der vulkanisch gegarte Eintopf wieder aus dem Boden herausgeholt. Verschiedene Restaurants in Furnas, darunter Tony's Restaurante (gegenüber der Pfarrkirche), servieren den Cozido - ratsam ist eine Vorbestellung!

 

Lagoa do Congro

Versteckt in einem 70 m tiefen Kessel, umgeben von steilen, dicht bewaldeten Hängen, liegt die Lagoa do Congro auf 405 m Höhe in den Bergen oberhalb von Vila Franca do Campo. Der Kraterkessel entstand vor rund 3000 Jahren bei einem Vulkanausbruch.

 

Lagoa do Fogo

Einsam liegt der „Feuersee" inmitten einer rauen Berglandschaft auf 570 m Meereshöhe. Maximal 30 m tief ist das Gewässer, in dem sich unter anderem Karpfen und Regenbogen-Forellen tummeln, die hier zur Freude der Angler (und Möwen!) eingesetzt wurden. Der Kraterkessel, in dem sich heute der „Feuersee" ausbreitet, ist die jüngste Caldeira der Insel und entstand in zwei Phasen vor 30.000 bzw. 12.000 Jahren. Die letzte Eruption begann am 29. Juni 1563, nachdem die Erde bereits fünf Tage lang gebebt und rumort hatte. Der Ausbruch fand im südöstlichen Bereich des heutigen Sees statt und hielt bis ins folgende Jahr an. Gewaltige Explosionen ließen auf der gesamten Ostseite der Insel vulkanische Ascheregen niedergehen; leuchtende Blitze durchzuckten aufgrund der elektrischen Entladungen den Himmel. Nachts war der ungeheure, von den Wolken reflektierte Glutschein noch von den Inseln der Mittelgruppe aus zu sehen - aus 160 km Entfernung! Nichts von diesen Urgewalten lässt der stille See erahnen. Auf dem Pico da Barrosa (947 m), dem höchsten Gipfel der Serra de Água de Pau (geologisch gehört sie zum Fogo-Massiv), steht heute eine Erdbeben-Messwarte.

 

Livramento

Inmitten der Ortschaft, die von vielen Landgütern umgeben ist und sich zum wohlhabenden Villenvorort von Ponta Delgada entwickelt hat, erhebt sich die Pfarrkirche mit ihrer eindrucksvollen Barockfassade. Zu den stattlichen Herrenhäusern gehören der barocke Necessidades-Palast (18. Jh.) mit kleiner Hauskapelle, das herrschaftliche Haus des Grafen Botelho und das Anwesen des Barons da Fonte Bela - das Adelsprädikat „Fonte Bela" verdankte der Adlige seinem außergewöhnlich „schönen Brunnen".

 

Miradouro de Santa Iria

Dieser Aussichtspunkt gewährt einen herrlichen Blick auf die Nordküste, der bis zur Ponta do Cintrão und nach Maia reicht.

 

Miradouro do Pico do Ferro

Steil erheben sich die dicht bewaldeten Seitenwände der Caldeira das Furnas. Oberhalb des Fumarolenfeldes am Furnas-See erhebt sich der Trachytdom des Pico do Ferro (573 m). Hier liegt ein grandioser Aussichtspunkt über den gesamten Talkessel von Furnas. Man sieht das Dorf ebenso wie den See und kann die vulkanische Struktur der Landschaft gut erkennen: mehrere kleine Caldeiren, die auf jüngere Vulkanausbrüche zurückgehen, liegen eingebettet in der großen Caldeira.

 

Miradouro do Pisão

Von diesem Aussichtspunkt und Picknickplatz zwischen Ribeira Chã und Água de Pau bietet sich ein herrlicher Blick auf die Südküste. Auf der einen Seite liegt Caloura, auf der anderen reicht die Sicht bis Vila Franca.

 

Miradouro do Salto da Farinha

Bei Salga führt ein steiler Abstecher zum Miradouro Salto do Farinha hinab, einem herrlichen Aussichtspunkt auf die grandiose Steilküste. Ein Weg verläuft sogar durch die Talschlucht zum einsamen Kiesstrand unten am Meer hinunter.

 

Miradouro do Salto do Cavalo

Ein beschilderter Abzweig klettert von der Achada das Furnas noch höher in die Berge empor und steigt bis 800 m Meereshöhe an. Von dem Aussichtspunkt Salto do Cavalo („Pferdesprung") bietet sich ein unvergleichlicher Weitblick. Wie aus der Vogelperspektive schaut man in die Talkessel von Furnas und Povoação.

 

Mosteiros

Auf einer Küstenniederung (fajã) am nordwestlichen Zipfel von São Miguel liegt das Dörfchen Mosteiros. Grandios ist die bizarr zerklüftete Felsküste mit ihren eigenartigen Formationen aus braunschwarzer Lava und der schäumenden Brandung. Direkt am Ort liegt ein kleiner, dunkler Strand, wo man im Meer baden kann. Verschiedene Naturschwimmbecken in den Lavafelsen laden ebenfalls zum Bad ein. Vor der Küste erheben sich die Klippen der Ilhéus dos Mosteiros aus dem Meer. Die dunklen Felsformationen, Überreste eines wieder im Meer versunkenen Vulkans, erinnern ein wenig an die dunklen Ruinen eines Klosters (mosteiro heißt „Kloster").

 

Nordeste

Im äußersten Nordosten (nichts anderes bedeutet der Ortsname) der Insel liegt Nordeste. Schon 1514, als man gerade 60 Einwohner zählte, wurde Nordeste zur Kleinstadt (vila) erhoben. Die abgelegene Lage hat zwar eine größere Entwicklung verhindert, aber genau dies macht heute den Reiz des Ortes aus. Eine hohe, siebenbogige Brücke von 1883, im Volksmund „Viadukt" genannt, führt mitten im Ort über die Talschlucht der Ribeira do Guilherme. Die Pfarrkirche São Jorge mit ihrer hübschen Barockfassade wurde im 18. Jh. neu erbaut. Das Museu do Nordeste ist dem ländlichen Leben gewidmet und zeigt u.a. eine traditionelle Küche. Die Casa de Trabalho de Nordeste ist das größte Kunsthandwerkszentrum seiner Art auf São Miguel. Hier werden u.a. Stickereien, Webarbeiten und die typischen Trachten gemacht, die bei Volkstänzen zu sehen sind.

 

Ponta da Ferraria

An der Westspitze der Insel liegt eine jungvulkanische Küstenniederung, die Ponta da Ferraria, am Fuße des Pico das Camarinhas. Auffälligste Erscheinung ist ein sogenannter Pseudo-Krater. Er heißt so, weil er keinen tiefen Speisekanal hat. Vielmehr hat er sich durch kleine Dampfexplosionen gebildet, welche durch den Kontakt der heißen Lava mit dem Meereswasser ausgelöst wurden. Das heute geschlossene Thermalbad auf der Landspitze wurde 1888 als Heilanstalt für rheumatische Krankheiten erbaut. Der hübsche Leuchtturm auf der Anhöhe etwas weiter südlich, genannt Farol dos Ginetes, wurde 1901 eingeweiht.

 

Ponta do Escalvado

An die Zeiten des Walfangs auf den Azoren erinnert das schlichte Gebäude am Parkplatz, wo die Zufahrtsstraße zum Aussichtspunkt an der Ponta do Escalvado (Kahle Landspitze) endet. Es ist ein ehemaliger Walausguck; durch den Sehschlitz konnten Beobachter den Meereshorizont blendungsfrei nach Walen absuchen. Im Jahre 1811 ließ sich an dieser Landspitze etwas ganz anderes beobachten - ein eindrucksvolles Naturschauspiel. 4 km vor der Westküste ereignete sich ein unterseeischer Vulkanausbruch, dem tagelange schwere Erdbeben vorausgegangen waren. Am Morgen des 14. Juni begann die spektakuläre Geburt einer neuen Insel, begleitet von unheilvollem Donnergrollen, gewaltigen Explosionen, hellen Blitzen und dunklen Rauch- und Aschewolken. Ganze 80 m erhob sich das Eiland nach acht Tagen aus dem Meer. Der Kapitän der britischen Fregatte „Sabrina", die zu jener Zeit zufällig in Ponta Delgada vor Anker lag, hatte nichts Eiligeres zu tun, als die noch dampfende Insel am 4. Juli feierlich zu annektieren und auf ihr den Union Jack zu hissen. Nach kurzer Zeit hatte freilich der Gebietszuwachs im Namen der englischen Krone ein Ende, als das Eiland sang- und klanglos in die Fluten des Meeres zurücktauchte und nur den Namen Sabrina auf alten Karten hinterließ. Von der untergegangenen Insel zeugt noch eine blubbernde Untiefe, die sich bei Ebbe 75 cm aus dem Wasser erhebt, das in dieser Meeresgegend etwa 350 m tief ist.

 

Povoação

Als São Miguel um die Mitte des 15. Jhs. besiedelt wurde, war Povoação die erste Ortschaft der Insel. Wunderschön liegt das Dorf in einem weiten Talkessel, der sich zum Meer öffnet. Ganz unten an der Küste, wo das historische Ortszentrum an der Bucht liegt, gingen die ersten Siedler 1444 an Land. Hinter einem Hügel an der Küste duckt sich die alte Pfarrkirche (Matriz velha) Nossa Senhora da Rosário. Das kleine Gotteshaus aus dem 15. Jh. wurde später umgebaut. Sehenswert ist auch die Kapelle Santa Bárbara aus dem 15. Jh., das älteste Gotteshaus der Insel. Die Bucht mit ihrem Hafen ist von kleinen Stränden gesäumt. Strahlenförmig ziehen sieben Straßendörfer vom Ortszentrum aus auf lang gestreckten Bergrücken (lombas) landeinwärts. Von zwei Aussichtspunkten an der Hauptstraße, dem Miradouro do Pico Longo im Osten und dem Miradouro Lomba do Cavaleiro im Westen, bietet sich der schönste Blick auf den Ort.

 

Praia de Água d'Alto

Der herrliche, im Sommer bewachte Sandstrand Praia mit Strandbar und Umkleidemöglichkeiten erstreckt sich an der Südküste bei Água d'Alto. Zwei schluchtartige Flusstäler münden hier ins Meer: die Ribeira das Três Voltas auf der einen und die Ribeira da Praia auf der anderen Seite. Hier liegt der kleine Weiler Praia-Trinta Reis, der so alt ist wie die Besiedlung von São Miguel. Von der Brücke der Hauptstraße, die über die Talschlucht führt, bietet sich ein schöner Blick auf das malerische Häuserensemble.

 

Praia do Pópulo

Mit der anschließenden Praia de Milícias ist die Praia do Pópulo der beliebte Stadtstrand von Ponta Delgada. Es gibt eine Strandbar und Restaurants.

 

Ribeira Chã

Zwei interessante Museen erwarten die Besucher in diesem kleinen Ort: das Museum für sakrale Kunst und Völkerkunde, an das ein Kunsthandwerkszentrum angeschlossen ist, und das Landwirtschaftsmuseum, in dem die alten Kulturpflanzen der Azoren, deren Anbau und Verarbeitung gezeigt werden. Hier erfährt man viel Wissenswertes über die wirtschaftliche Bedeutung von Färber-Waid (pastel). Zum Museum gehört auch ein kleiner Botanischer Garten.

 

Ribeira dos Caldeirões

In der grünen Talschlucht der Ribeira dos Caldeirões stürzen zwei Wasserfälle über Felsen herab, verstreut stehen prächtige Farnbäume im Tal, und ein Mühlgraben führt zu einer alten, oberschlächtig betriebenen Wassermühle.

 

Ribeira Grande

Einen Rundgang durch dieses historische Städtchen, das schon 1507 zur Kleinstadt (vila) erhoben wurde, beginnt man am besten an der alten Brücke (1520), die über den namengebenden Fluss führt. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf das mit Blumenrabatten angelegte Tal (Parque da Ribeira dos Moinhos und Paraíso Infantil); etwas talabwärts überspannt eine achtbogige Brücke aus dem 19. Jh. die Ribera Grande. Die ersten Siedler errichteten Mühlen am Fluss, um die Wasserkraft zum Mahlen von Getreide, aber auch zur Verarbeitung des Färber-Waids zu nutzen. 1563 ereilte eine Naturkatastrophe das aufblühende Städtchen, als infolge eines Vulkanausbruchs, der am Fogo-Massiv in den Bergen stattfand, die Erde bebte und viele Häuser zerstört wurden. Schlimmer noch traf es jedoch den kleinen Nachbarort Ribeira Seca, den der herabfließende Lavastrom unter sich begrub; unterhalb des heutigen Straßenniveaus am Largo de São Pedro schaut dort noch ein alter Renaissance-Brunnen unter der 2 m mächtigen Lavadecke hervor. Nur ein Jahr danach trat die Ribeira Grande wegen Hochwassers über die Ufer, über 200 Häuser wurden zerstört. Beim Wiederaufbau rückte man vom Fluss ab und erweiterte Ribeira Grande in ost-westlicher Richtung. Zur Sicherung des lukrativen Mühlenhandwerks, das eine wirtschaftliche Grundlage des prosperierenden Städtchens war, wurde ein Mühlgraben erbaut, um so das Flusswasser teilweise zu den neu errichteten Mühlen umzuleiten. Auch die aufblühende Leinen- und Wollweberei trug fortan zum Wohlstand von Ribeira Grande bei. Hiervon zeugen schöne Schmuckelemente an den Fassaden vieler Wohnhäusern, darunter Rhomben und Fensterrosen. Heute ist Ribeira Grande, das 1981 Stadtrechte erhielt, die zweitgrößte Stadt auf São Miguel.

Auf der Nordseite der Grünanlage mit den Eisenholzbäumen (metrosideros) und dem Musikpavillon steht das schmucke Rathaus mit seinem Uhrturm (17./18. Jh.). In der unscheinbaren Hauswand daneben befindet sich ein schönes Doppelbogenfenster im manuelinischen Stil mit gedrehter Säule. An der Basis sieht man einen Pelikan von zwei Greifen flankiert, der rechte mit menschlichem Kopf. Das Fenster stammt entweder von einem Palast oder der ersten Pfarrkirche. Auf der Ostseite der Grünanlage erhebt sich die imposante barocke Pfarrkirche Nossa Senhora da Estrela (18. Jh.), die auf einer großen Freitreppe thront. Das erste Gotteshaus an dieser Stelle hatte zwar die Naturkatastrophe von 1563 überstanden, aber 1612 stürzte der Glockenturm auf das Kirchenschiff. Die barocke Heilig-Geist-Kirche (Espírito Santo oder Senhor dos Passos) an der Südostecke der Grünanlage, ursprünglich aus zwei nebeneinander stehenden Kapellen hervorgegangen und daher mit zwei Hauptportalen ausgestattet, besitzt eine bemerkenswerte, nach außen gewölbte Muschelwerk-Fassade. Um zum Museu Municipal/Casa da Cultura zu gelangen, folgt man der Rua de Gonçalo Bezerra (gegenüber dem Theater von 1933) und biegt rechts in die Rua do Botelho. Am Ende der Straße stößt man auf eine kleine Kapelle, die bereits zum Museum gehört. Es wurde in dem alten Herrenhaus des São Vicente de Ferrer (18. Jh.) eingerichtet.

Die Ermida de Santo André (Andreaskirche) wurde unter Lourenço Chichorro, spöttisch „der Kürbis" genannt, barock erneuert. Chichorro besaß Sinn für Humor, ließ er doch 1648 die Worte „Aus Stein und nicht aus Kürbis erbaut" über dem Eingangsportal eingravieren.

 

Salto do Cabrito

Auf Höhe des Pico Vermelho führt ein Linksabzweig der Straße, die von Ribeira Grande zum Pico da Barrosa ansteigt, in die Talschlucht der Ribeira Grande. Der Fluss stürzt hier ungestüm über einen imposanten, 38 m hohen Wasserfall herab, den Salto do Cabrito („Sprung des Zickleins").

 

Sanguinho

Oberhalb von Faial da Terra steigt ein gewundener Pflasterweg zum idyllischen Weiler Sanguinho mit seinen alten, kürzlich restaurierten Steinhäuschen an. Einst lebten hier 200 Einwohner, doch Ende der 1970er Jahre wurde der Weiler aufgegeben. Von hier führt ein wunderschöner Wanderweg weiter hinauf ins Gebirge zum Salto do Prego, einem herrlichen Wasserfall an der Ribeira da Faial da Terra. In der wildromantischen Umgebung des Flusslaufs ist häufig die Azoren-Gebirgsstelze zu beobachten.

 

Serra da Tronqueira

Im Osten liegt die Serra da Tronqueira mit der höchsten Erhebung der Insel, dem nur zu Fuß erreichbaren Pico da Vara (1103 m). Für den Aufstieg benötigt man eine Genehmigung der Forstbehörde. Das Gebirge ist ein einziges Gewirr schroffer Grate und tief eingeschnittener Schluchten - oft in Nebel gehüllt und nur schwer zugänglich. Das urwüchsige Waldgebiet um den Pico da Vara gehört zu den wertvollen Resten des azoreanischen Lorbeerwaldes. Mit dem Auto kann man einer Forststraße in vielen Serpentinen quer durchs Gebirge folgen, die bei Nordeste beginnt und kurz vor Povoação wieder auf die Hauptstraße einmündet. Hingegen schlängelt sich die Küstenroute von Nordeste nach Água Retorta kurvenreich an steilen, waldreichen Hängen entlang und führt im weiten Bogen durch gewaltige Talschluchten, die sich tief in das Gebirge eingegraben haben. Hier an der Ostspitze der Insel liegen herrliche Aussichtspunkte, so der Miradouro Ponta do Sossego („Landspitze der Ruhe") und der Miradouro Ponta da Madrugada („Landspitze der Morgenfrühe"). Der Blick schweift über imposante Basaltklippen, die mit einem Alter von drei bis vier Millionen Jahren die ältesten Gesteine der Insel bilden.

 

Vila Franca do Campo

Aufgrund seiner geschützten Lage und der fruchtbaren Böden entwickelte sich Vila Franca do Campo bald nach Ankunft der ersten Siedler auf São Miguel zum wichtigsten Hafenort der Insel. In der zweiten Hälfte des 15. Jhs. wurde der Ort unter dem Namen Vila Franca do Campo („Freistadt des Feldes") zur Hauptstadt von São Miguel erhoben. Sie war frei von Abgaben und auf einem fruchtbaren, weitläufigen Feld gelegen. Der Stadt schien eine leuchtende Zukunft beschieden, doch dann ereigneten sich zwei Naturkatastrophen, die alle Hoffnungen zunichte machten: am 21. und 22. Oktober 1522 gab es ein tektonisches Erdbeben (schätzungsweise der Stärke 7 auf der Richterskala), anschließend kam es am Monte Rabaçal zu einem gewaltigen Erdrutsch, der die Stadt unter sich begrub. Etwa 5000 Menschen - fast alle Einwohner - kamen damals ums Leben. Vila Franca wurde danach an der heutigen Stelle wiederaufgebaut, verlor jedoch 1546 den Status der Hauptstadt an Ponta Delgada. Dann ereignete sich die nächste Naturkatastrophe. Begleitet von Erdbeben brach am 29. Juni 1563 der Vulkan an der Lagoa do Fogo aus. Die Eruptionen hielten bis ins folgende Jahr an und überzogen Vila Franca mit immer neuen Ascheregen.

Ein Spaziergang durch das gemütliche Städtchen mit seinen schattigen Plätzen und Gassen lässt nichts mehr von dieser unruhigen Vergangenheit erahnen. Besonders malerisch wirkt der von zwei Kirchen und dem Rathaus gesäumte Stadtplatz im Zentrum. In der gotischen Stadtpfarrkirche São Miguel Arcanjo, nach dem Erdbeben von 1522 an der heutigen Stelle wiederaufgebaut, sind der Chor mit gotischem Triumphbogen und der holzgeschnitzte vergoldete Hochaltar besonders beachtenswert; die Seiten sind mit wertvollen Fliesen (azulejos) verkleidet. Eine Delle in der Wand des Glockenturms zeugt von einem der vielen Piratenangriffe, bei denen auch mit Kanonen geschossen wurde. Die Glocke von 1555 ist die älteste der Insel.

Gegenüber der Stadtpfarrkirche steht die Misericórdia-Kirche mit dem ältesten Krankenhaus der Insel; das heutige Gebäude stammt aus dem 17./18. Jh. Die andere Seite des Platzes wird vom Rathaus (1777) mit seiner doppelläufigen Freitreppe und dem Uhrturm beherrscht. Unten an der Küste liegt der alte, von einer Festung bewachte Fischerhafen. Dicht vor der Küste erhebt sich die Ilhéu da Vila Franca aus dem Meer, ein kleiner, nahezu kreisrunder, halb untergegangener Krater. Eine Badeinsel mit geschützter Lagune im Kraterkessel, zu der im Sommer Bootsverbindungen bestehen! Auf der Landseite von Vila Franca, leicht erhöht auf einem Hügel, steht die Wallfahrtskirche Nossa Senhora da Paz (18. Jh.). Eine Treppenanlage mit Fliesenbildern führt hinauf zu dem kleinen Gotteshaus, wo sich ein herrlicher Ausblick über die Stadt und auf das Inselchen bietet.

Das Museu Municipal in Vila Franca besitzt eine sehenswerte Sammlung zur Volkskunde (Töpferei, Möbel, Musikinstrumente und Werkzeuge). Aufschlussreich sind die Fundstücke der Ausgrabungen im ursprünglichen, 1522 verschütteten Ortsgebiet.

 

 

 

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Santa Maria

Liebliches Hügelland mit verstreut eingetupften Häuschen im Osten, ein kleines Waldgebirge in der Mitte und eine weite, von schier endlosen Steinmäuerchen durchzogene Tiefebene im Westen - Santa Maria (97 qkm) ist eine ruhige, überschaubare Insel. Höchste Erhebung ist der Pico Alto mit 587 m; ansonsten liegt der größte Teil des Landes unter 300 m. Geschützte Meeresbuchten mit hellen Sandstränden verlocken zum Bad in den warmen Fluten des Atlantiks. Dank des relativ trockenen Klimas wirkt die „Sonneninsel" bisweilen mediterran. Auch im Winter ist die südlichste Azoreninsel ein lohnendes Reiseziel, wenn viele Gewächse bereits in voller Blüte stehen und sich die im Sommer ausgedörrte Tiefebene in eine grasgrüne Weidelandschaft verwandelt.

Rund 5500 Bewohner zählt Santa Maria, dessen Hauptstadt Vila do Porto am Rande der westlichen Tiefebene liegt. Dort erstreckt sich auch der Flughafen mit seinem riesigen Flugfeld, bis in die 1960er Jahre obligatorischer Zwischenstopp auf der Atlantikroute. Landschaftlich reizvoll ist vor allem die hügelige Osthälfte der Insel mit ihren kleinen Dörfchen und verstreuten Häusern, die zwischen Gärten und Ackerterrassen stehen. Die malerische Bauweise mit großen Schornsteinen geht auf die ersten Siedler zurück, die überwiegend aus Südportugal - dem Alentejo und der Algarve - kamen. Die schlanken, runden Schornsteine auf pyramidenförmigem Unterbau waren einst Küche und Backofen zugleich.

Türen, Fenster und Ecken der Wohnhäuser sind farbig eingerahmt und kontrastieren mit den weiß getünchten Wänden. Jede Pfarrgemeinde hatte eine eigene Farbe: Santa Bárbara indigoblau (die billigste Farbe), Santo Espírito grün (die größte und waldreichste Gemeinde benutzte eine seltenere und teurere Farbe), São Pedro ockergelb (wie gold - dies war die Gegend der reichsten Orangenplantagen), Almagreira rot (aufgrund des rötlichen Ockers - almagra -, der hier weit verbreitet ist) und Vila do Porto grau (entsprechend der Farbe des Gesteins).

In den dekorativen Ton-Amphoren, die man vor manchen Häusern sieht, wurde ursprünglich Regenwasser als Trinkwasser gespeichert. Früher stand neben jedem Haus ein Trockengestell für Mais, das auf vier Steinpfosten ruhte (burra de madeira genannt). Hängend wurden hier die Kolben getrocknet und den ganzen Winter hindurch gelagert.

 

Vila do Porto

Vila do Porto („Hafenstadt"), die Hauptstadt von Santa Maria, liegt strategisch günstig auf einem flachen, von Flusstälern begrenzten Bergrücken oberhalb einer Hafenbucht im Südwesten der Insel. An der Ribeira Grande (heute Ribeira de São Francisco genannt) stehen noch sechs alte Wassermühlen, von denen zwei bis heute in Betrieb sind. Zwar hatte Vila do Porto bereits um 1470 als erste Ansiedlung auf den Azoren die Rechte einer Kleinstadt (vila) erhalten, doch nach diesem ersten Hoffnungsschimmer kam die Entwicklung nicht so richtig in Schwung - allzu abgelegen und leicht angreifbar war die kleine Insel, der São Miguel rasch den Rang ablief. Auch die Festung São Brás mit ihren aufs Meer gerichteten Kanonen, die über den Hafen wacht, vermochte nicht zu verhindern, dass immer wieder Piraten brandschatzend einfielen. Zur Festung gehört die barocke Kapelle Nossa Senhora da Conceição (oder Santa Luzia), die hier im 18. Jh. anstelle der ursprünglichen Pfarrkirche von Vila do Porto errichtet wurde.

        Von der Festung bis zur heutigen Pfarrkirche zieht sich der älteste Ortsteil längs der Rua Frei Gonçalo Velho. Hier steht auch die Ruine der Casa do Capitão Donatário João Soares de Sousa (15. Jh.). Irrtümlich wurde dieses ursprünglich zweistöckige Haus, von dem nunmehr die Fassade des Erdgeschosses mit gotischen Spitzbogentüren und manuelinischem Fensterschmuck erhalten ist, lange für den Wohnsitz der ersten Legatskapitäne (Capitães Donatários) gehalten. Tatsächlich gehörte es jedoch José de Pimentel Velho, einem Verwandten von Gonçalo Velho Cabral. Das Nachbarhaus zeigt gleichfalls manuelinische Fenster und war einst im Besitz des Edelmanns Francisco de Perada.

Über einen großen Vorplatz mit Brunnen (19. Jh.) gelangt man zur Pfarrkirche Nossa Senhora da Assunção (15.-19. Jh.). Sie ist Mariä Himmelfahrt geweiht, weil Santa Maria am 15. August entdeckt worden ist. Vom ursprünglichen spätgotisch-manuelinischen Gotteshaus zeugen noch verschiedene Portale und Fenster, ein spitzbogiges Seitenportal und die Kapelle Santa Catarina mit ihrem Kreuzrippengewölbe. Typisch iberisch sind die holzgeschnitzten Barockaltäre im Innern. Einige Heiligenbilder stammen aus Flandern (frühes 16. Jh.).

Gleich drei Klöster finden sich in Vila do Porto. Im ehemaligen Kloster Santa Maria Madalena (17. Jh.), durch ein Holzgitter abgetrennt, befindet sich eine Kapelle mit Chor und holzgeschnitztem Barockaltar. Die silbernen Leuchter werden von Drachen getragen. In die Nische an der Klosterpforte wurden einst Findelkinder gelegt und so in die Obhut der Kirche übergeben. Das Kloster Santo António, ein schlichter Bau aus dem 17. Jh., dient heute als Stadtbibliothek, während das ehemalige Franziskanerkloster (São Francisco) mit seinem Kreuzgang aus massigen Arkaden und dem Brunnen in der Mitte das Rathaus beherbergt. In der angrenzenden Kirche Nossa Senhora da Vitória sehenswert sind die Kachelbilder (azulejos) der Allerseelen-Kapelle im naiven ländlichen Barockstil (Mitte 17. Jh.), die Szenen aus dem Leben des heiligen Antonius zeigen.

Geht man auf der Hauptstraße (Rua Dr. Luís Bettencourt) weiter, so erreicht man bei Haus Nr. 42-44 die beachtenswerte „Casa do Padre Manuel" mit ihrer Fassade aus sorgsam behauenen Basaltsteinen.

Im Norden der Stadt steht eine Windmühle, die 1989 als getreuer Nachbau der früher auf Santa Maria verbreiteten Windmühlen entstand.

 

 

Santa Maria von A-Z

 

Aeroporto de Santa Maria

Im Zweiten Weltkrieg suchten die USA nach einem strategischen Stützpunkt im Atlantik, der als militärische Nachschubbasis dienen und nach Kriegsende einer zivilen Nutzung für den transatlantischen Flugverkehr zugeführt werden sollte. Nach ersten Projektstudien im Jahr 1941 erteilte Salazar 1944 den USA die Erlaubnis zum Bau eines Flughafens auf der Tiefebene im Westen von Santa Maria. In der Rekordzeit von einem Jahr entstand der Flughafen mit seinem riesigen Flugfeld; 3000 Arbeiter (darunter 2000 Amerikaner) waren beim Bau beschäftigt. Zum 500 ha großen Flughafen-Areal gehörte die „Airport City", eine Gartenstadt mit breiten Straßen und Häusern, die in Fertigbauweise errichtet wurden.

Ab 1946 diente der Flughafen der zivilen Luftfahrt. Bis in die 1960er Jahre war Santa Maria obligatorischer Zwischenstopp auf der Transatlantikroute. Hier wurden die Flugzeuge, die noch nicht nonstop den Atlantik überfliegen konnten, aufgetankt und gewartet - bei den damaligen Propellermaschinen oft ein stundenlanges Unterfangen. Fluggäste mit längerem Zwischenaufenthalt konnten im eigens erbauten Airport Hotel übernachten. Mit den modernen Düsenflugzeugen und deren größerer Reichweite kam das Aus für den regen Flugbetrieb auf Santa Maria. 1980 eröffnete überdies der internationale Flughafen Lajes auf Terceira. Heute wird der Flughafen nur noch für die regelmäßige Verbindung nach São Miguel und bei seltenen Zwischenlandungen benutzt. Dank seiner günstigen Position im Nordatlantik hat er aber seine Bedeutung für die internationale Luftfahrt nicht gänzlich verloren, denn Santa Maria ist die wichtigste Bodenkontrollstation im Nordatlantik.

 

Almagreira

An den westlichen Ausläufern des Inselgebirges liegt Almagreira. In der Vergangenheit wurde hier almagra (roter Ocker) abgebaut, eine bleihaltige (und deshalb rote) Erde, die den Töpfereien als Glasur diente.

 

Anjos

Abgelegen in einer Bucht mit kleinem Kiesstrand an der Nordküste liegt Anjos („Engel"). Über die wenigen Häuser wacht ein altes Steinkreuz (17. Jh.) auf einem Hügel. Am Ortseingang erinnert eine Statue von Christoph Columbus an das Gelöbnis, das er und seine Mannschaft hier einlösten. Bei der Rückfahrt von seiner ersten Amerikareise war er 1493 auf der „Niña" in ein schweres Unwetter geraten und hatte gelobt, dort, wo sie sicher landen würden, die Messe zu besuchen. Am 15. Februar wurde endlich Land gesichtet und Columbus war sich sicher, dass es sich nur um eine Insel der Azoren handeln konnte. Aufgrund der ungünstigen Windrichtung dauerte es noch ganze drei Tage, bis es der „Niña" endlich gelang, die Insel zu erreichen und den Anker auszuwerfen. Columbus hatte zwar nicht die Absicht gehabt, auf den Azoren zu landen, aber nun war Santa Maria seine Rettung. Der Ort, wo er anlegen konnte, war Anjos. Eine Landungsbarke mit Seeleuten ging an Land und wurde von den Einwohnern begrüßt. Als die Seeleute ihnen von ihrer großen Reise zu den Westindischen Inseln erzählten, wollten einige diesem Bericht keinen Glauben schenken und hielten Columbus für einen ausgemachten Lügner. Am nächsten Tag kam Columbus seinem Gelöbnis nach, das er in schwerer Seenot abgelegt hatte, und sandte die halbe Mannschaft an Land, um Gott für die Errettung zu danken. In der kleinen Kirche von Anjos wohnten die Seeleute der Messe bei, doch draußen versammelten sich Dorfbewohner. Als die Seeleute das Gotteshaus verließen, wurden sie gefangen genommen unter der unglaublichen Anklage, sie wären von Guinea, also der afrikanischen Küste gekommen und nicht von Westen. Unter spanischer Flagge segelnd wäre das Schiff illegal in portugiesische Gewässer eingedrungen. Als Columbus von der Festnahme seiner Seeleute hörte, lichtete er die Anker und nahm Kurs auf die Nachbarinsel São Miguel, doch schlechtes Wetter zwang ihn zur Umkehr. Es folgte eine jener tragikomischen Episoden der Weltgeschichte. Columbus, gemäß Sendschreiben des Königs von Spanien „Admiral der Weltmeere und Vizekönig Indiens", sah sich gezwungen, mit den Einwohnern von Anjos um die Freilassung seiner Seeleute zu verhandeln, nur weil diese glaubten, er hätte portugiesische Gesetze verletzt. Nach zwei Tagen war der Konflikt behoben und die „Niña" konnte weitersegeln.

Von dem ursprünglichen Bau des Kirchleins Nossa Senhora dos Anjos, wie es zu Columbus' Zeiten bestand, sind nach Umbauten nicht viel mehr als das spitzbogige Seitenportal und einige Ruinen erhalten. Das mehrfach übermalte Altarbild soll von dem Schiffsaltar der Karavelle Gonçalo Velho Cabrals stammen. Beachtenswert ist auch der Fliesenaltar mit der Darstellung exotischer Vögel und Tiere um den heiligen Boaventura, der 1679 anlässlich des Neubaus des Gotteshauses geschaffen wurde.

 

Baía da Maia

Zu den drei Traumbuchten auf Santa Maria gehört die Bucht von Maia. Ähnlich wie bei der Baía de São Lourenço rahmen steile Weinbergsterrassen die Meeresbucht ein; verstreut stehen weiße Häuschen entlang der Küste.

 

Baía da Praia

In der geschützten Baía da Praia an der Südküste von Santa Maria erstreckt sich die herrliche Praia Formosa, der hellste Sandstrand der Azoren. Als möglichen Landeplatz für Seeräuber galt es einst, die weit geschwungene Bucht gut zu beschützen; davon zeugen noch die Ruinen der Festung São João Baptista (16.17. Jh.).

 

Baía de São Lourenço

Die Bucht von São Lourenço gehört zu den schönsten der Azoren. Sichelförmig öffnet sich die von steilen Weinbergterrassen eingerahmte Bucht zum Meer, wo sich ein mehrfach von niedrigen Felsen unterbrochener Sandstrand erstreckt. Oberhalb davon liegen verstreut die kleinen weißen Häuser von São Lourenço. In geologischer Hinsicht stellt die Bucht den Rest eines alten Kraterkessels dar, von dem sich das Meer schon die Hälfte geholt hat. Auf einer Klippe liegen die Ruinen einer alten Festung, während am Ende der Meeresbucht die barocke Kapelle Jesus, Maria und Josef (18. Jh.) steht. Die heilige Familie ist auf einem Medaillon zu sehen, das sich in dem gekachelten Altaraufsatz findet. Eine Besonderheit ist hier die kniende Darstellung der Stifter, die sich - in der europäischen Kunst sonst nichts Ungewöhnliches - in Portugal nur noch ein einziges Mal findet, nämlich in der Kapelle Nossa Senhora do Pilar.

 

Baía do Tagarete

An der Nordküste erstreckt sich die Baía do Tagarete mit ihrer bis 200 m hohen Steilküste. Tief hat sich das gewundene Flusstal der Ribeira do Amaro in die Landschaft eingefräst; über einen hohen Wasserfall ergießt sich der Fluss an den Klippen ins Meer. Die Klippen sind durch verschiedene basaltische Lavaströme entstanden, die sich über Sedimentschichten aus Kalksandstein (Kalkarenit) und fossilienhaltigen Konglomeraten ergossen haben. An den Klippen ist auch Kissenlava (unter Wasser erstarrte Lava) zu sehen.

 

Barreiro da Faneca - die rote Wüste

Westlich von Feteiras de Baixo bis etwa zur Kapelle Senhora do Pilar erstreckt sich eine kleine „Wüste", eine tonig-sandige, vegetationslose Erosionsfläche, die in intensiven Gelb- und Rottönen glüht: der Barreiro da Faneca („Vertrocknete Tongrube"). Geologisch gehört diese Landschaft zu den jüngsten Formationen der Insel, die durch explosive Vulkanausbrüche entstanden. Aus dem vulkanischen Lockermaterial ist durch Verwitterung, vermutlich durch intensive Oxydation, die dunkelrote Tonerde hervorgegangen.

 

Nossa Senhora do Pilar

Nur ein paar Häuser stehen bei der Kapelle Nossa Senhora do Pilar (17. Jh.), die recht einsam im Norden der Insel unweit Paul steht. Das kleine Gotteshaus erwacht jedoch zu Leben, wenn das Heilig-Geist-Fest gefeiert wird und Besucher von nah und fern anreisen. Den Altar schmückt ein wertvolles Fliesenbild, das Maria umringt von den knieenden Stiftern des Gotteshauses zeigen (siehe Anmerkung hierzu unter „Baía de São Lourenço").

 

Mata-mouras

In künstlichen Erdhöhlen, den sogenannten mata-mouras (wörtlich: „Mauren-Töter"), versteckten die Bewohner von Santa Maria bei Piratenüberfällen ihre Lebensmittel. Die Öffnungen wurden mit großen, runden Basaltsteinen (bocais) abgedeckt. Bei einem Haus in Covas und in Pedras de São Pedro sind heute noch einige mata-mouras zu sehen.

 

Museu de Santa Maria

Das Museum von Santa Maria findet man in Santo Espírito direkt hinter der Pfarrkirche (Largo Padre José Maria Amaral). Es ist in einem rund 100 Jahre alten, inseltypischen Wohnhaus untergebracht und zeigt Möbel, Gebrauchsgegenstände und Töpferwaren, die einstmals ein wichtiger Exportartikel der Insel waren.

 

Parque Florestal das Fontinhas

Dieser kleine Waldpark im Inselgebirge dient den Einheimischen als Freizeitgelände und Picknickplatz.

 

Pico Alto

Mit 587 m ist der Pico Alto der höchste Gipfel auf Santa Maria. Er ist über eine Stichstraße erreichbar, die im Gebirge von der Passhöhe Cruz dos Picos abzweigt. Auf dem Gipfel stehen Antennen der NATO und der zivilen Luftsicherung. Von der höchsten Erhebung Santa Marias bietet sich ein hinreißender Rundblick über das dicht bewaldete, grüne Gebirge hinweg, der die gesamte Insel erfasst.

 

Santa Bárbara

Mit seinen weit verstreuten Häusern liegt das Dörfchen Santa Bárbara malerisch inmitten sanfter Talsenken an den Ausläufern des Pico Alto.

 

Santo Espírito

Inmitten der kleinen Ortschaft Santo Espírito („Heiliger Geist") überrascht die Pfarrkirche Nossa Senhora da Purificação (1537, erweitert im 18. Jh.) mit ihrer imposanten, üppig verzierten Barockfassade aus schwarzem Basaltgestein, das stark mit der weiß getünchten Fassade kontrastiert. Das Fenster über dem Hauptportal ist von gedrehten Säulen eingefasst. Die Fliesen auf dem Dach des Glockenturms stammen ursprünglich aus dem Innenraum des Gotteshauses. Im schlichten Inneren beachtenswert ist ein Gemälde des heiligen Michael. Angeblich verbindet sich mit dieser Kirche das erste Heilig-Geist-Festival der Azoren, worauf sich auch der Ortsname bezieht. Hinter dem Gotteshaus befindet sich das Museum von Santa Maria, das in einem alten ländlichen Wohnhaus untergebracht ist.

 

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Terceira

Große Vulkansysteme, deren riesige Kraterränder sich als lang gestreckte Bergrücken (serras) erheben, bestimmen das Landschaftsbild auf Terceira (400 qkm). Das nur schwer zugängliche, unbesiedelte Inselinnere ist eine wilde, merkwürdig unruhige Landschaft. In der Weite des Hochlandes gibt es noch größere urwaldähnliche Bereiche, die mit der typisch azoreanischen Strauchvegetation aus Baumheide, Wacholder und Lorbeer bedeckt sind.

In niedrigeren Lagen erstreckt sich sanftes Hügelland mit Viehweiden und Felder, von schier endlosen Steinmäuerchen unterteilt. Hier liegen alle Ortschaften der Insel, die insgesamt 56.000 Einwohner zählt. Eng mit dem Meer verbunden ist die Inselhauptstadt Angra do Heroísmo mit ihrem einstmals bedeutenden Hafen.

Terceira ist die Insel der impérios - wohl auf keiner anderen Azoreninsel gibt es so viele, farbenfrohe und phantasievolle Heilig-Geist-Kapellen. Die meisten der rund 70 impérios wurden an der Wende des 19. Jh. zum 20. Jh. erbaut und haben vermutlich aus Holz errichtete, zerlegbare Vorgängerbauten ersetzt.

 

Angra do Heroísmo

Die gepflegte Hauptstadt Angra do Heroísmo gilt mit ihren Adelspalästen, Bürgerhäusern, Kirchen und Klöstern als die schönste und urbanste Stadt der Azoren. Nach einem verheerenden Erdbeben, das am Neujahrstag 1980 fast die Stärke 8 auf der Richterskala erreichte, wurde die Altstadt von Angra im Dezember 1983 von der UNESCO als Weltkulturerbe klassifiziert und mit großer Sorgfalt wiederaufgebaut. Heute ist Angra Sitz einiger Behörden der Regionalregierung. Auch der Minister für die Azoren, der das portugiesische Hoheitsrecht verkörpert und die überregionalen Belange koordiniert (Justiz, Fiskus, Außenbeziehungen usw.), ist hier ansässig. An Dynamik und Wirtschaftskraft hat Ponta Delgada zwar längst Angra den Rang abgelaufen, aber dennoch ist es ein lebendiges Städtchen mit regem Kulturleben.

Ausgangspunkt eines Stadtspaziergangs ist die Praça Velha („Alter Platz"), der zentrale Platz im Herzen von Angra. Gemäß den städtebaulichen Idealen der Renaissance laufen hier die wichtigsten Straßen der Stadt zusammen. Auf der Ostseite erhebt sich das repräsentative Rathaus. Der stattliche Bau aus dem 19. Jh. ist dem alten Rathaus von Porto nachempfunden und besitzt einen der größten Säle ganz Portugals. Man folgt der Rua da Sé nach Westen, ehe man links in die Rua de São João abbiegt. Diese Straße ist von schönen Wohn- und Geschäftshäusern gesäumt, deren Hauptzierde die schmiedeeisernen Balkongeländer sind. Am Hotel Beira Mar erreicht man die Uferpromenade (Estrada Gaspar Corte Real) und folgen ihr nach rechts am ehemaligen Fischmarkt (Mercado do Peixe) vorbei, heute ein beliebtes Fischrestaurant. In der kleinen Sandbucht unterhalb der Ufermauer lag einst die Schiffswerft von Angra.

Kurz vor dem Clube Náutico steigt man rechts Stufen durch ein großes Festungstor empor und geht nach links an der Festungsmauer entlang. Im Rechtsschwenk gelangt man durch die Grünanlage (Parque do Relvão; ehemals Glacis) hangaufwärts. An einem alten Tor gelangt man auf eine Straße, überquert sie und geht geradeaus auf einer gepflasterten Straße weiter hangaufwärts. An einem Brunnen vorbei erreicht man das repräsentative, mit einem Wappen geschmückte Hauptportal der Fortaleza de São Filipe/São João Baptista do Monte Brasil. Diese Festung wurde während der spanischen Herrschaft unter Philipp II. von Spanien ab 1592 erbaut (daher auch ihr älterer Name) und entstand in strategisch günstiger Lage am Fuße des Monte Brasil. Bei einem Angriff konnte so ein Vordringen feindlicher Kräfte über den Isthmus, die Landenge zwischen Anga und dem Monte Brasil, verhindert werden. Die Festung diente nicht nur der Kontrolle des Hafens von Angra, sondern auch zum Schutz der aus Amerika und Indien kommenden Schiffe. Flächenmäßig ist sie die größte spanische Festungsanlage der hispanischen Welt. Ihre rund 5 km langen Wehrmauern sichern nahezu die gesamte Breite des Monte Brasil.

        Im weitläufigen Inneren der Festung erhebt sich die Kirche São João Baptista (daher der zweite, portugiesische Name der Festung). Der Bau verbindet sich staatspolitisch mit der Restauration - der wiedererlangten Unabhängigkeit Portugals von Spanien -, nachdem Johann IV. (Dom João IV) am 1. Dezember 1640 in Lissabon zum König von Portugal ausgerufen wurde. Zu dieser Zeit verschanzten sich noch rund 1500 Mann der spanischen Garnison mit schwerem Geschütz in der Festung am Monte Brasil. Sie waren nicht zur kampflosen Aufgabe bereit, und so begannen die Portugiesen im März 1641 mit der Belagerung und dem Beschuss der Bastion. Erst im Jahr darauf kapitulierten die Soldaten vor Hunger und Erschöpfung. Unmittelbar danach ließ König Johann IV. das Johannes dem Täufer geweihte Gotteshaus symbolträchtig im Herzen der spanischen Festung errichten.

Vom Portal folgt man der Festungsmauer nach links. Im Graben sind tiefe ummauerte Gevierte zu sehen, die dazu bestimmt waren, potentielle Angreifer abzuhalten. Stufen führen zu einer Asphaltstraße hinab, die man nach rechts hinaufgeht. Man kommt durch ein Tor und hält sich dahinter vor der bewachten Schranke links. Die Straße gabelt sich sogleich. Links kann man zunächst einen kurzen Abstecher zur Ermida de St. António machen, vorbei am ehemaligen Pulvermagazin (links unten zu sehen). Dann kehrt man zur Gabelung zurück und geht die Straße hinauf. Kurz nach der Rechtskurve geht man links einen Pfad recht steil im Wald empor. Man gelangt auf eine Straße, der man nach rechts bergauf folgt. An einer Kreuzung inmitten des Picknickgebietes auf der waldigen Halbinsel des Monte Brasil, dem Hausberg von Angra, wendet man sich nach rechts, um zum Pico das Cruzinhas anzusteigen. Auf dem Gipfel steht eine Gedächtnissäule, die an die Entdeckung der Insel im Jahre 1432 erinnert; von der Aussichtsterrasse bietet sich ein schöner Blick auf Angra.

        Man kehrt auf demselben Weg durch das Festungstor gegenüber der bewachten Schranke zurück und läuft geradeaus auf der Straße weiter (Largo da Boa Nova). An der nächsten Straßenkreuzung steht links an der Ecke das Hospital da Boa Nova. Es gilt als ältestes Militärkrankenhaus der Welt und wurde 1615 von den Spaniern zur Behandlung ihrer Soldaten erbaut, die in der benachbarten Festung stationiert waren. Man geht geradeaus auf der Rua da Oliveira weiter. An der nächsten Kreuzung steht links eine Heilig-Geist-Kapelle (1916 erneuert). Die Straße führt geradeaus zur Mauer oberhalb einer Grünanlage, die am Steilhang angelegt wurde. Hier bietet sich ein herrlicher Blick auf den Hafen (Porto das Pipas) von Angra.

Man geht links durch die Carreira dos Cavalos weiter. An der nächsten Straßenecke steht links der Antigo Paço Episcopal (Alte Bischofspalast), der 1544 vom König den Bischöfen von Angra überlassen wurde, während rechts der Palácio Bettencourt zu sehen ist. Ende des 17. Jhs. erbaut, beherbergt dieser wunderschöne Barockpalast heute die öffentliche Bibliothek und das Stadtarchiv. Der Portikus ist von gedrehten Säulen mit Kapitellen im ionisch-korinthischen Stil flankiert. Im Innern sind die herrlichen Fliesenbilder (azulejos) in der Vorhalle und am Treppenaufgang sowie die Holzdecken sehenswert.

Gegenüber steht die Kathedrale von Angra, die Igreja do Santíssimo Salvador da Sé. Beim Erdbeben 1980 und durch einen Brand 1984 wurde das Gotteshaus erheblich zerstört, doch inzwischen wieder aufgebaut. Um 1461 wurde an dieser Stelle die erste Pfarrkirche von Angra errichtet. Als Bischofssitz war dieses Gotteshaus jedoch zu klein, so dass man sich zu einem repräsentativen Neubau entschloss. Im schnörkellosen Stil der Renaissance entstand die Kathedrale bis 1618. Die Hauptfassade ist nach Norden ausgerichtet und bricht so mit dem Prinzip mittelalterlicher Kirchen, die stets eine Ost-West-Orientierung hatten. Um die Ausrichtung gab es beim Bau Streit, wollte doch ein Teil der Bevölkerung die Fassade repräsentativ nach Süden - zum Hafen und Meer - errichten, ähnlich wie dies in Horta geschah. Die wertvolle Innenausstattung mit ihren Holzschnitzereien, Heiligenbildern und Fliesen entstand durch eine eigene Schule, die sogenannten Meister von Angra. Zu ihnen gehörten azoreanische Künstler, die von Flandern und dem indo-portugiesischen Stil beeinflusst waren; später wurde auch spanischer Einfluss wirksam. Auch in anderen Kirchen Terceiras und auf den Nachbarinseln der Mittelgruppe schufen die Meister von Angra wertvolle Kunstwerke.

Vor der Kathedrale stößt man auf die Rua da Sé und folgt dieser Hauptstraße der Stadt nach rechts bergab. Dann biegt man links in die Rua do Palácio und wendet sich am Postamt nach rechts. Oberhalb einer großen Freitreppe thront die imposante Kirche des ehemaligen Jesuitenkollegs (Igreja do Colégio oder Nossa Senhora do Carmo) aus der Mitte des 17. Jhs.. Im reich ausgestatteten Kircheninneren sind die vergoldeten Holzschnitzereien, die Fliesenbilder und die Holzdecke besonders sehenswert. Die einstige Klosteranlage bestimmte der Markgraf von Pombal als Amtssitz des General-Gouverneurs der Azoren, daher ihr neuer Name Palácio dos Capitães Generais; heute beherbergt das Gebäude eine Abteilung der Regionalregierung und dient als Museum. Die historischen Räumlichkeiten besitzen noch ihre originale Innenausstattung aus dem 17./18. Jh.. An der Kirche vorbei gelangt man in den liebevoll angelegten Stadtgarten, genannt Jardim Duque da Terceira.

Am linken hinteren Ende des Stadtgartens steigen Stufen zum Outeiro da Memória (›Hügel der Erinnerung‹) empor, einer Anhöhe hoch über der Stadt, die von einem weithin sichtbaren Obelisken gekrönt ist. Das Mitte des 19. Jhs. errichtete Denkmal erinnert an König Peter IV. (Dom Pedro IV), der sich während der Verfassungskriege auf Terceira aufhielt. An dieser Stelle wurde 1474 die erste Festung der Azoren erbaut, von der jedoch alle Spuren verschwunden sind. Landeinwärts gelegene Bergfestungen entsprachen einem eher mittelalterlichen und kontinentalen Verständnis, während die neueren Festungen direkt an den Küsten entstanden. Von hier oben bietet sich ein herrlicher Blick auf Angra und Umgebung. Die geschützte Lage des Hafens in der Meeresbucht am Fuße des Monte Brasil ist gut erkennbar (angra bedeutet wörtlich „schmale Bucht"), ebenso die strategische Position der Fortaleza de São Filipe. Von Angras Naturhafen aus hat sich die Stadt an den Hängen des fruchtbaren Tals ausgedehnt, in dessen Talgrund noch heute grüne Ackerterrassen liegen; der unterste Bereich wird vom Stadtgarten eingenommen. Einst führte ein Fluss durch dieses Tal; sein Verlauf folgte ungefähr den grünen Wasserrohren, die ein kleines Wasserkraftwerk speisen. Der Fluss wurde bereits vor 1474 kanalisiert und umgeleitet, um die Wassermühlen des expandierenden Gewerbes zu betreiben - daher sein Name Ribeira dos Moínhos.

Man geht wieder in den Stadtgarten hinab, der an seiner Ostseite vom Convento de São Francisco beherrscht wird. Der gewaltige Klosterkomplex beherbergt heute das Museum der Stadt Angra. Er entstand im 18. Jh. anstelle älterer Ordensbauten. Die zugehörige Kirche (auch Nossa Senhora da Guia genannt) birgt eine reiche Innenausstattung; vielfach sind Szenen aus dem Leben des heiligen Franziskus dargestellt. Besonders sehenswert sind auch die Fliesenbilder im Chor mit ihren Landschaftsmotiven. Man verlässt den Stadtgarten oberhalb des Hotels Angra und geht die steile Ladeira de São Francisco hinauf, die am Eingang des Museums vorbeiführt. An der Kreuzung vor einer Kapelle geht es rechts entlang der Rua do Cruzeiro weiter. An der nächsten Kreuzung läuft man rechts die Rua do Galo hinab, bis scharf links die Rua da Conceição hinaufführt. Wenn man die Rua do Galo hinabschaut, die ab der Praça Velha Rua da Sé heißt, bietet sich ein schöner Blick über die von schmucken Häusern gesäumte Hauptstraße von Angra.

Geradeaus erhebt sich die Igreja da Conceição, um 1533 anstelle einer Kapelle im Stil der Renaissance erbaut und im 17./18. Jh. neu gestaltet. Zur wertvollen Innenausstattung gehören die von den Meistern von Angra geschaffenen Tafelbilder eines Flügelaltars (um 1600). Man geht rechts um die Kirche und auf der Rua do Conselheiro Monjardino weiter. Rechts steht der Solar de N.S. dos Remédios, ein Herrenhaus aus dem 16. Jh., das später vielfach umgebaut wurde. Es unterstand dem Lieferanten der königlichen Armada (Flotte), dem „Armador", der die aus Amerika kommenden Schiffe von hier aus verproviantieren ließ. Inmitten des Corpo Santo (Fischerviertels) gelegen hatte man raschen Zugang zum Porto das Pipas („Fasshafen"). Dort entstand um 1570 die erste Hafenfestung, die dem Flottenlieferanten als Stützpunkt diente.

Geradeaus geht es auf der Rua do Armador weiter. Man stößt auf die Rua do Faleiro mit schönem Blick auf den Hafen, die geschützte Bucht von Angra und den Monte Brasil. Nach rechts bergab stößt man vor der Igreja da Misericórdia auf eine Querstraße, die nach links zum Pátio da Alfândega führt, dem historischen Zollkai. Die Kirche steht an der Stelle des ersten Krankenhauses der Azoren, das 1492 dank Unterstützung der Confraria do Santo Espírito (Bruderschaft des Heiligen Geistes) entstand. Das Gotteshaus mit seiner imposanten Barockfassade stammt aus dem 18. Jh. und wurde von der „Misericórdia" erbaut, einer wohltätigen Organisation, auf die eine heute noch existierende Bruderschaft zurückgeht. Das Krankenhaus wurde im 19. Jh. an einen anderen Standort verlegt.

Eine imposante Freitreppe führt zum Jachthafen (Marina) hinab, der im Jahr 2000 eröffnet wurde und an die Bedeutung Angras als Hafenort anknüpft. Hier in der geschützten Bucht von Angra, die vom Porto das Pipas (dem heutigen Fischer- und Passagierhafen) im Osten über die Marina bis zu dem kleinen Sandstrand im Westen reicht, lagen einst die reich beladenen Segelschiffe vor Anker, die von Amerika nach Lissabon, Cadiz oder Sevilla unterwegs waren. Anstelle der heutigen Freitreppe erhob sich einst ein Hafentor, und noch heute steht hier die Alfândega, das Zollamt - gewissermaßen das wichtigste Gebäude der Stadt, verdankte Angra doch der Erhebung von Handelszöllen einen Großteil seines Reichtums.

Vom Patio da Alfândega verläuft die Rua Direita stadteinwärts. Gesäumt von traditionellen Häusern mit wunderschönen schmiedeeisernen Balkongeländern führt Angras älteste Hauptstraße vom Kai direkt zur Praça Velha zurück. Den neuen städtebaulichen Idealen der Renaissance verpflichtet bildet diese Straße eine Achse zwischen dem Hafen und dem Hauptplatz der Stadt, die sich auf diese Weise zum Meer hin öffnet. Unmittelbar vor der Kreuzung an der Praça Velha steht links an der Ecke ein Haus mit wunderschöner steingehauener Fassade, die Casa do Conde Vilaflor.

 

 

Terceira von A-Z

 

Algar do Carvão

Inmitten einer urwüchsigen Berglandschaft liegt ein Krater, der in seinem Inneren eine eindrucksvolle Höhle birgt. Der Abstieg in den Algar do Carvão („Kohlengrotte") führt durch einen tiefen Schlund mit üppigem Grün, aus dem sich Baumfarne majestätisch hervorheben. Unten in 90 m Tiefe liegt ein Höhlensee mit kristallklarem Wasser.

 

Biscoitos

Den schwarzen Lavaströmen der Umgebung, biscoitos („Biskuit") genannt, verdankt die kleine Ortschaft im Norden der Insel ihren Namen. Am Porto de Pesca, dem Fischerhafen mit seinen bunten Booten, gibt es einen bei den Einheimischen beliebten Badeplatz: zahlreiche Felsenbecken zwischen schwarzer Biskuitlava. Bekannt ist Biscoitos auch für seinen império von 1872. Lohnend ist ein Besuch des Weinmuseums von Biscoitos. Hier kann man alle Stadien der Weinherstellung an Originalgeräten studieren, um anschließend an einer kleinen Weinprobe teilzunehmen. Das Museum gehört zur Agrícola Brum, einem Weingut, das von einer Winzerfamilie mit großer Tradition bewirtschaftet wird. Francisco Maria Brum war es, der nach der Zerstörung der alten Weinkulturen durch Reblaus und Mehltau ab 1901 damit begann, Verdelho-Reben durch Pfropfung zu kultivieren, um daraus wie Generationen vor ihm den geschätzten Weißwein zu keltern.

 

Caldeira de Guilherme Moniz

Mit 15 km Durchmesser ist die Caldeira de Guilherme Moniz der größte Einsturzkrater der Azoren. In der großen, flachen Niederung liegt wildes Weideland, auf dem die berühmten Kampfstiere Terceiras gezüchtet werden.

 

Furnas do Enxofre

Aus den Erd- und Felsspalten der „Schwefelhöhlen" (Fumarolen und Solfatare) treten heiße Wasser- und Schwefeldämpfe aus. Schmale Pfade führen durch diese merkwürdige Landschaft.

 

Praia da Vitória

Der „Strand des Sieges" (Praia da Vitória) liegt geschützt an einer Bucht im Osten der Insel. Als Terceira im 15. Jh. besiedelt wurde, war Praia zunächst Hauptstadt (1456-1474) und Amtssitz des ersten Legatskapitäns der Insel, Jacome von Brügge. Angra sollte Praia jedoch schon Ende des 15. Jhs. den Rang ablaufen und so blieb Praia ein bescheidenes Städtchen. Mehrfach wurde es von schweren Erdbeben heimgesucht, so 1614 und 1841. Ab dem Zweiten Weltkrieg nahm Praia durch den benachbarten Flughafen Lajes einen Aufschwung, der durch den Ausbau des Frachthafens noch gestärkt wurde. 1981 erhielt Praia die lange ersehnten Stadtrechte. Berühmtester Sohn der Stadt ist der Journalist und Schriftsteller Vitorino Nemésio (1901-1978).

Den ehrenden Beinamen „da Vitória" verdankt das Städtchen der Schlacht von Praia. Während der Verfassungskämpfe, als Terceira eine Hochburg der Liberalen war, versuchte ein Geschwader der Absolutisten am 10.8.1829 am Strand von Praia anzulanden. Der Angriff konnte abgewehrt werden und die Liberalen gingen siegreich aus der Schlacht hervor. Ihren Sieg verdankten sie dem Grafen von Vila Flor (1792-1860), einem entschiedenen Parteigänger der Liberalen. Der Oberst war am 22.6.1829 auf Terceira gelandet, um das Amt des Gouverneurs der Azoren zu bekleiden, und befehligte in der Schlacht von Praia die liberale Truppe. Danach beteiligte er sich an weiteren Kämpfen, die dem Konstitutionalismus in Portugal schließlich zum Sieg verhalfen. 1833 wurde dem Oberst hierfür der Titel Marquis (Graf) von Vila Flor und 1836 Herzog von Terceira verliehen.

Die Pfarrkirche Igreja da Santa Cruz (Heilig-Kreuz-Kirche) wurde bereits 1456 von Jacome von Brügge gegründet und 1517 vollendet. Es ist wahrscheinlich, dass sowohl das Haupt- als auch das südliche Seitenportal auf dem Kontinent gefertigt und hierher gebracht wurden. Die wunderschönen Steinmetzarbeiten aus Kalkstein im Stil der Manuelinik stammen vom Anfang des 16. Jhs.. Zur wertvollen Innenausstattung gehören eine vielfarbig gefasste Elfenbein-Skulptur im indo-europäischen Stil und eine flämische Skulptur (16. Jh.) des heiligen Kosmas, der nach der Legende als Arzt gewirkt haben soll. In der Capela das Ornelas steht der Grabstein von Jacome von Brügge.

Nach dem schweren Erdbeben von 1614, bei dem das alte Rathaus zerstört wurde, entstand der schmucke heutige Bau der Câmara nach dem Vorbild nordportugiesischer Herrenhäuser. Eine doppelte Freitreppe führt zur Loggia im Obergeschoss empor. An der Seite des Gebäudes erhebt sich der Glockenturm. Das Denkmal auf dem Rathausplatz (Praça Francisco Ornelas da Câmara) erinnert an die Schlacht von Praia.

 

Mata da Serreta

Das große Picknickgebiet liegt in einem Waldgebiet nördlich von Serreta. Wenige Schritte auf der Fahrstraße in Richtung Raminho kommt links ein beschilderter Aussichtspunkt mit schöner Sicht auf die Westküste.

 

Pico de Altares

Dieser hervorragende Aussichtspunkt oberhalb der Nordküste diente früher als Walausguck.

 

Ramo Grande

Von Fonte do Bastardo über Fontinhas bis Agualva erstreckt sich im Nordosten Terceiras ein fruchtbarer Küstenstreifen, Ramo Grande („Großer Ast") genannt. Der traditionelle Baustil dieser Gegend, der sich insbesondere nach dem Erdbeben von 1841 entwickelt hat, unterscheidet sich von der übrigen Insel. Typisch sind sorgsam behauene Ecksteine an Wänden und Brüstungen sowie bogenförmige Fenster- und Türstürze. An der Fassade sind meist Erbauungsjahr und Besitzerzeichen sowie fünfzackige Sterne (vielleicht irrtümlich als Attribut des Apostels Simon des Zeloten aufgefasst) angebracht.

 

São Bartolomeu

Kirche, Heilig-Geist-Kapelle (império) und Vorratsspeicher (despensa; 1938 erbaut; hier wurden Fleisch, Brot und Wein für die Armenspeisung aufbewahrt) gruppieren sich harmonisch um das Ortszentrum. Der bunte, mit Blütenornamenten geschmückte império (von 1875) gilt als einer der schönsten Terceiras.

 

São Mateus da Calheta

Das Forte Grande, die „große Festung", wacht seit dem 16. Jh. über die Hafenbucht von São Mateus. Oberhalb des Fischerviertels mit seinen engen Gassen erhebt sich die Matthäuskirche (Igreja de São Mateus) aus dem 19. Jh.; der Apostel wird auch als Schutzpatron der Fischer verehrt. Im Inneren sehenswert sind das Bildnis des heiligen Matthäus und die Marienstatue, die von den Meistern der Kathedrale von Angra geschaffen wurden. Aus Dankbarkeit stiftete ein Seemann das Schiff zu Füßen der Statue.

 

São Sebastião

Die Ortschaft ist nach ihrem Schutzpatron benannt, dem auch die Pfarrkirche (Ende des 15. Jhs.) geweiht ist: dem heiligen Sebastian. Ihre wertvollen Fresken mit Darstellungen von Heiligen und dem Jüngsten Gericht sind das schönste Beispiel für die nicht sehr zahlreiche spätgotische Wandmalerei auf den Azoren. Auch das Innengewölbe des Gotteshauses ist beachtenswert: ein Renaissance-Kreuzgewölbe (16. Jh.) überspannt den Chor, während die Seitenkapellen mit Kreuzrippengewölben ausgestattet sind. Am Platz vor der Kirche steht ein hübscher império von 1918. Die Darstellung einer üppigen Mahlzeit schmückt den Treppensockel, Hortensien zieren den Giebel. Auf dem Kirchplatz steht auch ein Denkmal, das an die Schlacht von Salga im Jahr 1581 erinnert. Damals landete eine spanische Flotte in der Bucht von Salga, um die Insel zu erobern. Die Soldaten drangen rasch landeinwärts vor, doch plötzlich kamen die Portugiesen auf die rettende Idee: sie hetzen über 1000 Rinder auf den Feind, der sich prompt erschrocken zurückzog. Die Kapelle Santa Ana in São Sebastião gehört zu den ältesten Gotteshäusern der Insel.

 

Serra de Santa Bárbara

Die Fahrt hinauf ins höchste Gebirgsmassiv der Insel ist bei guter Sicht sehr lohnend. Tiefe Schluchten, üppiges Grün und blaue Hortensien bestimmen das wilde Landschaftsbild. Versteckt liegt die kleine Lagoa do Negro; nicht weit davon erreicht man die Gruta de Natal („Weihnachtsgrotte"), eine fast 700 m lange Lavaröhre. Eindrucksvoll auch das Lavafeld Mistério Negro. Vom Gipfel der Serra de Santa Bárbara (1021 m) bietet sich ein atemberaubender Blick über Terceira.

 

Serra do Cume

Vom Aussichtspunkt auf diesem Bergrücken bietet sich aus über 500 m Höhe ein überwältigender Blick nach Westen über eine baumlose, als Weideland genutzte Hochebene mit zahllosen Steinmäuerchen; im Osten erkennt man die Bucht von Praia.

 

Serra do Labaçal

In der Inselmitte erhebt sich die Serra do Labaçal mit dem Pico Alto (808 m). Merkwürdig geformte Huppel und Ausbeulungen (hornitos genannt) fallen in der Landschaft auf. Diese Brocken wurden einst aus Vulkanschloten ausgeworfen und heißen daher auch Spritzkegel. Die größeren Erhebungen sind gleichmäßig abgerundete Kuppen, aus denen zähflüssige Lava herausgesickert ist.

 

Stierkampf am Strick

Kaum ein Fest auf Terceira findet ohne den beliebten „Stierkampf am Strick" (tourada à corda) statt. Dabei lässt man einen Jungstier, dem man ein langes Seil um den Hals gebunden hat, frei durch die (mit Bretterzäunen abgegrenzten) Dorfgassen und über Plätze laufen. Tollkühn rennen junge Männer dem Stier entgegen und provozieren ihn mit aufgespannten Regenschirmen oder bunten Tüchern, um sich dann wieder rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Oft ist ein Sprung über den nächsten Zaun die einzige Rettung vor der wütenden Verfolgung. Vier kräftige Männer in weißen Hemden und mit schwarzen Hüten halten das Seil, um den Stier notfalls auszubremsen. Vertreter des Stierzuchtvereins und ein Tierarzt überwachen das Geschehen, bei dem - anders als in Spanien - der Stier nicht getötet wird. Die touradas à corda finden den ganzen Sommer hindurch an Wochenenden und Feiertagen statt. Besucher seien gewarnt - die Azoreaner sind pünktliche Menschen und auch touradas fangen stets pünktlich an, so dass man sich beizeiten einen sicheren Platz suchen sollte, um nicht als neuer Lokalmatador in die Dorfgeschichte einzugehen! Wenn ein Knall ertönt, könnte es zu spät sein, denn in diesem Moment wird der Stier losgelassen. Entwarnung ist gegeben, sobald zwei Knalle zu hören sind, signalisiert dies doch das Wiedereinfangen des Stiers.

 

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Faial

Mit traumhaftem Blick auf die Nachbarinsel Pico erhebt sich Faial (abgeleitet von faya, dem endemischen Gagelbaum) sanft aus dem Meer. Ilha Azul - Blaue Insel - taufte sie der Schriftsteller Raul Brandão aufgrund der Hortensienhecken, die entlang von Feldrainen, Weidegrenzen und Wegrändern gedeihen. Gleichmäßig steigen die grünen Hänge zur großen Caldeira in der Inselmitte an. Über den wildromantischen Kraterkessel wacht der Cabeço Gordo, mit 1043 m der höchste Gipfel der Insel. An den Küsten wechseln steile und felsige Abschnitte mit einigen wunderschönen Sandbuchten, die zum Baden einladen. Der Ostteil Faials bietet eine liebliche Landschaft mit sanften Hängen und lang gestreckten Bergrücken, zwischen denen sich freundliche Ortschaften ausbreiten. Rund 15.000 Einwohner hat die 173 qkm große Insel.

Von der Caldeira nach Westen verläuft eine Kette kleinerer Vulkankegel, das geologische Rückgrat der Insel - eine grüne, nur dünn besiedelte Gegend. Am Ende dieser tektonischen Störungslinie brach 1957/58 der Vulcão dos Capelinhos vor der damaligen Westspitze Faials aus. Nirgendwo auf den Azoren sind die Folgen eines Vulkanausbruchs so eindrucksvoll zu sehen wie hier: aus dem Meer geboren entstand eine graubraune, staubige Mondlandschaft, in der heute die ersten Pflanzen Fuß fassen. Dächer verschütteter Häusern schauen aus der Vulkanasche heraus, die das Land bedeckt, und die Ruine des Leuchtturms ist ein stummer Zeuge der Naturgewalten von einst. Bereits knapp 300 Jahre zuvor hatte ein anderer Vulkanausbruch die Menschen in Angst und Schrecken versetzt: 1672 brach im Nordwesten der Insel der Cabeço do Fogo aus. Während der strombolianischen Eruption, die ganze sechs Monate andauerte, ergossen sich Lavaströme die Hänge hinab. 200 Opfer waren damals zu beklagen.

Die lebendige Hauptstadt Horta (gut 6000 Einwohner) war über Jahrhunderte ein wichtiger Hafen für den Schiffsverkehr zwischen Europa und Amerika. Noch heute ist Horta obligatorischer Zwischenstopp für alle Hochseesegler auf der großen Atlantik-Passage. Viele von ihnen verewigen sich an der berühmten Hafenmauer mit einem Bild. Peter Café Sport an der Uferpromenade ist allabendlicher Treffpunkt der Skipper.

 

Horta

Schöner kann eine Hafenstadt kaum liegen: eingerahmt von grünen, sanft ansteigenden Hängen scharen sich die schmucken Häuser und imposanten Kirchen von Horta um eine weite Meeresbucht. Eine Landenge, gebildet vom Vulkan des Monte Queimado, trennt die lang gestreckte Bucht von der kleinen benachbarten Lagune, die einen perfekten Naturhafen bildet. Heute ist die Baía do Porto Pim mit ihrem azurblauen Wasser der Hausstrand von Horta, doch einstmals lag hier der alte Hafen der Stadt. Auf der Landenge am Porto Pim wurden die ersten Häuser von Horta erbaut. Neben diesem ältesten Siedlungszentrum wurden sehr bald auch Häuser am Fuße des Espalamaca-Rückens im nördlichen Teil von Horta (Conçeicão-Viertel) erbaut; dazwischen begann sich längs der Meeresbucht allmählich die heutige Stadt zu entwickeln.

Ausgangspunkt eines Stadtrundgangs ist die Praça do Infante mit dem Denkmal Heinrichs des Seefahrers. Von der Grünanlage geht der Blick über den berühmten Jachthafen, legendärer Treffpunkt aller Segler auf der Transatlantikroute, hinüber zur Nachbarinsel Pico. Die ehemalige Hafenfestung Santa Cruz (heute Hotel) entstand 1567 zur Sicherung der Meeresbucht. Die wehrhaften Mauern wurden aus Basalt errichtet, die Zinnen und Schilderhäuser hingegen aus dem weicheren Tuffstein. Über dem Haupteingang prangt das portugiesische Königswappen. Im Inneren steht die ehemalige Militärkapelle Santo António. Schmucke Häuser säumen die nach Süden führende Rua Vasco da Gama, darunter ein mehrstöckiges Gebäude vom Ende des 19. Jhs. mit der Inschrift „Sociedade de Carvão e Fornecimentos do Fayal". Es erinnert an die Zeit der Dampfschifffahrt, als in Horta Kohle und Proviant nachgeladen wurden. Haus Nr. 28 ist mit seinem Wintergarten ein schönes Gebäude im Jugendstil vom Anfang des 20. Jhs..

An der Straßengabelung vor einer schlichten Heilig-Geist-Kapelle führt links die Rua José Azevedo (Peter) hinab. Peter Café Sport ist die wohl berühmteste Skipperkneipe im Atlantik. Das Familienunternehmen, heute in vierter Generation, blickt auf eine lange Geschichte zurück. Ernesto Azevedo (1859-1931) hatte einen kleinen Kunsthandwerksladen betrieben, den er 1901 um eine Bar erweiterte und „Casa Açoreana" nannte. Sohn Henrique (1895-1975) übernahm das Geschäft 1918 und nannte es „Café Sport", da er selbst ein begeisterter Sportler war. Sein Sohn José (1925-2005) begann mit 15 Jahren, für die Britische Armee in Horta zu arbeiten. Den Spitznamen „Peter" erhielt er von einem Bootsmann einer britischen Fregatte, die in Horta vor Anker lag. Dieser Bootsmann fühlte sich bei José Azevedo an seinen Sohn Peter erinnert und bald benutzten alle diesen Namen. 1975 zog das Café Sport in das heutige Gebäude. Für die Segler war es inzwischen weit mehr als eine Kneipe, auch wenn hier immer gerne aufgetankt wurde: José „Peter" war transatlantischer Postbote und stand für Auskünfte aller Art bereit. Peters Sohn José Henrique führt heute den größer gewordenen Familienbetrieb, zu dem auch Bootstouren, ein Andenkenladen und ein Internet-Café gehören. In dem kleinen Scrimshaw-Museum im Obergeschoss (Museu de Peter) sieht man gravierte Zähne von Pottwalen, deren kunstvolle Herstellung aus dem „Elfenbein des Meeres" einst ein beliebter Zeitvertreib der Walfänger war.

Am Cais de Santa Cruz, einer 1876 erbauten Mole, legen die Fährschiffe an, die zwischen den Inseln verkehren. Dahinter und entlang der Außenmole erstreckt sich der Frachthafen, während sich zur anderen Seite hin der Jachthafen anschließt.

Am Hang des Monte Queimado verläuft die Rua da Rosa durch ein bescheidenes Viertel. Gleich an ihrem Anfang bietet sich aus erhöhter Position eine herrliche Aussicht über Hafen und Stadt; im Norden begrenzt der Espalamaca-Rücken den Horizont. Wendet man den Blick nach Nordwesten, so sieht man ein Observatorium auf dem Monte das Moças. Es wurde zu Ehren von Fürst Albert I. von Monaco benannt, der als Ozeanograf Ende des 19. Jhs. und Anfang des 20. Jhs. die Azoren besuchte. Von der 1915 erbauten Wetterwarte aus wurden früher meteorologische Daten nach Europa telegrafiert. Die Beobachtung des Azorenhochs war der Anfang der europäischen Wettervorhersage. Heute dient das Observatorium auch als Erdbebenwarte.

Die Rua da Rosa mündet in die Travessa do Porto Pim. Herrlich ist der Blick auf die fast kreisförmig wirkende Baía do Porto Pim. Links an dem beliebten Sandstrand liegt eine Badeanstalt. Ein Stückchen weiter steht eine ehemalige Walfabrik (Fábrica da Baleia) am Hangfuß des Monte da Guia; daneben liegen die Ruinen einer älteren Fabrik. Unter der örtlichen Firma „Reis e Martins" wurde die Walfabrik von einem deutschen Ingenieur geplant und 1941 eröffnet. 35 Männer waren hier auf dem Höhepunkt der Fabrik beschäftigt. Nach ihrer Schließung 1975 und umfassender Renovierung dient sie heute als Museum (Centro do Mar); zugleich ist sie Sitz des Meeresobservatoriums der Azoren. Bei einem Rundgang durch die Fabrik mit ihren vollständig erhaltenen Maschinen bekommt man eine gute Vorstellung, wie die Walverarbeitung erfolgte.

Auf der anderen Seite der Meeresbucht zeugen Befestigungen aus der spanischen Zeit (17. Jh) - die Muralhas de São Sebastião und das Hafentor Portão do Porto Pim - von ihrer einstigen Bedeutung als Hafen.

Monte Queimado und Monte da Guia, die beiden „Hausberge" von Horta an der Bucht von Porto Pim, stehen seit 1980 unter Landschaftsschutz. Der 86 m hohe Monte Queimado („Verbrannter Berg") ist ein junger Vulkan vom Stromboli-Typ aus Pyroklasten, während der sehr viel größere Lavakegel des Monte da Guia durch eine submarine Eruption (Surtsey-Typ) entstanden ist. Dieser besteht aus einem Doppelkrater, der sich auf der Südostseite zum Meer hin öffnet. Die so gebildete, 500 m lange und 250 m breite Lagune heißt Caldeira do Inferno, auch Caldeirinhas genannt. Es ist lohnend, dem Sträßchen zu folgen, das auf den Monte da Guia führt. Man gelangt bis zu der schlichten Kapelle Nossa Senhora da Guia; danach ist das Sträßchen, das weiter zu einer Navigationsanlage der Flugsicherung auf der höchsten Stelle ansteigt, gesperrt. Von der Kapelle, die im Zweiten Weltkrieg erbaut wurde, bietet sich ein herrlicher Blick über den Porto Pim und auf Horta; im Hintergrund steigen grüne Hänge bis zu dem von einer Sendeantenne bekrönten Cabeço Gordo an. In der Gegenrichtung fällt der Blick in die Lagune des „Höllenkessels" hinab.

Seit über 300 Jahren findet alljährlich am ersten Sonntag im August das Fest der Fischer zu Ehren ihrer Schutzpatronin Nossa Senhora da Guia (Unsere Liebe Frau der Führung) statt. In einem feierlichen Umzug tragen die Fischer das Marienbildnis (17. Jh.) von der Kapelle auf dem Monte da Guia zum Strand von Porto Pim hinab. Dann wird es in einer großen Bootsprozession zum alten Kai (Cais de Santa Cruz) am Hafen von Horta geleitet. Der Festzug begibt sich dann zur Angústias-Kirche, wo ein Gottesdienst stattfindet.

Die Travessa do Porto Pim verläuft an Straßencafés vorbei in Richtung der alten Hafenbefestigung. Rechts führt die Rua Mons. Silveira de Medeiros zum Platz vor der Igreja de Nossa Senhora das Angústias. Sie geht in ihren Ursprüngen auf die Ermida de Santa Cruz zurück, das älteste Gotteshaus der Insel. Jost van Huerter gab zusammen mit seiner Frau Brites de Macedo den Auftrag zum Bau der Kapelle auf der strategisch günstigen Landenge zwischen den beiden Buchten von Horta. Vor der Kapelle stand einst der Herrensitz des Ehepaares, und von hier aus sollte die Stadtentwicklung von Horta ihren Ausgang nehmen. Jost van Huerter starb 1495 in seinem Wohnhaus. Zusammen mit seiner Gemahlin fand er in der Ermida de Santa Cruz (heute die Kapelle Nossa Senhora de Fátima) seine letzte Ruhestätte. 1664 wurde das Gotteshaus erweitert, doch hatte ihr die neue Pfarrkirche am Largo D. Luís im Norden der Stadt nunmehr den Rang abgelaufen. 1684 wurde das alte Kirchlein durch den heutigen großen einschiffigen Neubau ersetzt, erneut zur Pfarrkirche erhoben und der Schutzpatronin Nossa Senhora das Angústias (angústia „Angst") geweiht. Diese Verehrung ging bereits auf Brites de Macedo zurück, die das Heiligenbild „Unsere Liebe Frau der Ängste" mitgebracht hatte aus Dankbarkeit darüber, dass es auf der Insel keine Schlangen oder andere gefährliche Tiere gab. Im Inneren (stark beschädigt durch die Erdbeben von 1957/58 und 1998) wurden Altar und Chorgestühl völlig neu gestaltet. Im Tonnengewölbe des Chors sind die Wappen der alten Patrizierfamilien Hortas zu sehen. Im Seitenaltar sehenswert ist eine Weihnachtskrippe aus Ton, die aus der Schule von Machado de Castro (18. Jh.) stammt. Alljährlich am sechsten Sonntag nach Ostern findet das Kirchenfest - das größte der Insel - mit Prozession und anschließendem Jahrmarkt statt.

Nach der Angústias-Kirche gelangt man rechts wieder zum Cais de Santa Cruz hinab und kann nun nach Norden am Hafen entlangflanieren. An den Passagierhafen schließt sich das Hafenbecken an, wo die Boote fürs whale-watching liegen. Auf Höhe der Festung Santa Cruz beginnt der berühmte, 1986 erweiterte Jachthafen von Horta. Rund 1000 Jachten legen hier pro Jahr an - ein Muss für alle Segler auf dem Weg über den Atlantik! Mit bunten Bildern auf der Mole verewigen sich die Skipper ... es soll Unglück bringen, wenn man nicht zu Pinsel und Farbtopf greift. Stundenlang kann man in der Marina umherstreifen und hat doch noch nicht alle Bilder entdeckt. Bereits 1817 ankerte die erste Vergnügungsjacht in Horta. Es war die luxuriöse Cleopatra's Barge, die hier auf ihrer Kreuzfahrt durch das Mittelmeer und zu den Azoren anlegte. Nahezu alle berühmten Segler waren in Horta, so 1895 Joshua Slocum, der als erster Einhandsegler rund um die Welt fuhr.

Auf Höhe der Praça do Infante verlässt man den Jachthafen. Hier beginnt die Uferstraße (Avenida Marginal oder Avenida Diogo de Teive), die ab den 1950er Jahren auf dem einst langen Sandstrand der Bucht von Horta erbaut wurde, um die kaum über Meeresniveau stehenden Häuser bei Sturmfluten wie ein Damm zu schützen. An der Straßenecke (Rua Conselheiro Medeiros/Avenida Marginal) steht ein schmuckes Haus vom Anfang des 20. Jhs.. Das Gebäude ist reich an dekorativen Elementen, etwa den Statuen nach antiken Vorbildern auf der Dachtraufe. Das legendäre Café Internacional im Erdgeschoss sah schon so manchen illustren Besucher und war während des Zweiten Weltkriegs ein beliebter Treffpunkt von Spionen. Hinter dem Gebäude beginnt die Rua Conselheiro Medeiros. Diese alte Hauptstraße von Horta, die sich unter wechselndem Namen - aber allgemein als Rua Direita bekannt - quer durch die Stadt bis zum Markt fortsetzt, ist von schönen Häusern gesäumt.

Gegenüber der Bank von Portugal, ebenfalls ein typischer Bau des Art Déco, steigt die Rampa de São Francisco an einer Grünanlage zur imposanten Franziskanerkirche an. Das schmucke Wohnhaus hinter der Grünanlage (Rua Conselheiro Medeiros Nr. 18) ist ein weiteres Beispiel für Art Déco. Es besitzt gusseiserne Balkongeländer und zauberhafte Dachgauben-Giebel. Das Haus gehörte einst dem französischen Konsul und dann dem Direktor der Firma „Fayal Coal". In den 1930er und 1940er Jahren, als hier elegante Feste gefeiert wurden, war es ein Zentrum des gesellschaftlichen Lebens in Horta.

Das Franziskanerkloster mit zugehöriger Kirche (Convento e Igreja de São Francisco) war ursprünglich Anfang des 16. Jhs. an der Küste erbaut worden, wurde jedoch 1597 von den Truppen des Earl of Essex geplündert und niedergebrannt und schließlich 1669 bei einer Sturmflut zerstört. Danach wurde das Kloster an der heutigen Stelle neu erbaut; im Jahr 1700 konnte das Gotteshaus geweiht werden. Wie bei vielen anderen Franziskanerkirchen (etwa in Ponta Delgada) ist die Fassade durch Arkaden gegliedert, durch die man das Gotteshaus betritt. Der dreischiffige Innenraum ist prachtvoll im Barockstil ausgestattet. Mit Vertreibung der Franziskaner auf Faial 1832 ging das Kloster in staatlichen Besitz über. 1835 wurde es der Santa Casa da Misericórdia übereignet, die es als Krankenhaus benutzte. 1899 verwüstete ein Großbrand das Kloster; nur die Kirche widerstand den Flammen. Heute wird das Kloster als Altersheim genutzt.

Geht man links um den Gebäudekomplex und weiter bergauf, so kommen die schmucken Häuser der ehemaligen Deutsch-Atlantischen Telegraphengesellschaft (DAT).

Vor dem Konservatorium führt die Rua Marcelino Lima nach rechts zum Regionalparlament der Azoren, der Assembleia Legislativa Regional dos Açores. Als Horta 1976 mit Erhalt des Autonomiestatus der Azoren zum Sitz des Regionalparlaments bestimmt wurde, tagte es provisorisch bis 1980 im Vereinsgebäude der Sociedade Amor da Pátria, 1980-1990 im Hauptgebäude der DAT und seither in diesem nüchternen Neubau. Danach passiert man das Hotel Horta und folgt der Rua Médico Avelar schräg nach rechts hinab. Vor einer Heilig-Geist-Kapelle geht man rechts die Rua Eduardo Sulcão hinunter; jenseits der Meerenge grüßt der Pico. Man stößt wieder auf die Rua Direita, die in diesem Abschnitt Rua Walter Bensaúde heißt. Links erhebt sich die gewaltige Stadtpfarrkirche (Matriz).

Die heutige Stadtpfarrkirche Igreja do São Salvador (Erlöserkirche) war einst die Kirche des mächtigen Jesuitenkollegs (Paláçio do Colégio oder Colégio dos Jesuítas). Das imposante, im Barockstil errichtete Bauwerk gehört zu den größten Gotteshäusern der Azoren und beherrscht den davor liegenden Largo Duque D'Ávila e Bolama. Der Bau wurde durch das Vermächtnis von Francisco Dutra de Quadros ermöglicht, der 1648 kinderlos starb und sein gesamtes Erbe den Jesuiten stiftete; sein Wappen prunkt über dem Haupteingang des Nordflügels. Der Grundstein der Kirche wurde 1652 gelegt, aber mit dem eigentlichen Bau wurde erst 1680 begonnen. Ab 1719, also lange nach der Kirche, begannen die Bauarbeiten am Jesuitenkolleg. Bei der Vertreibung der Jesuiten aus Portugal im Jahr 1759 waren beide Bauwerke noch nicht vollendet. 1825 wurde die Jesuitenkirche zur Stadtpfarrkirche erhoben. Im Südflügel des Kollegs sind heute verschiedene Behörden und das Stadtmuseum untergebracht; dessen imposantes Eingangsportal zeigt das Wappen der Jesuiten. Der Nordflügel beherbergt heute das Rathaus (Paços do Concelho). Beim Erdbeben 1926 wurde das Kolleggebäude erheblich beschädigt.

Im großen Innenraum des Gotteshauses beeindruckend die Fliesenbilder (azulejos) aus dem 18. Jh. und die vergoldeten Holzschnitzereien. Die großen Fliesenbilder an den Seitenwänden im Chor zeigen Szenen aus dem Leben des heiligen Ignazius von Loyola, dem Begründer des Jesuitenordens. In den Seitenkapellen finden sich ebenfalls beachtenswerte Kunstwerke. In der linken vorderen Seitenkapelle zeigt ein Fliesenbild an der rechten Wand die Verleihung des Kreuzes für Franz von Borja, den dritten General der Jesuiten. Die rechte vordere Seitenkapelle ist dem heiligen Paulus geweiht und mit Fliesenbildern verziert, die seine Vita illustrieren. An der linken Wand die „Große Kollekte" des Paulus, die er in der Diaspora für die bedürftige Urgemeinde machte, um sie in Jerusalem zu überreichen. An der rechten Wand dargestellt ist Paulus' Schiffbruch im Mittelmeer auf seinem Weg nach Rom. In der Wandnische oberhalb des Altarraums ist eine Marienstatue - Nossa Senhora dos Prazeres (Unsere Liebe Frau der Freuden) - zu sehen, umschlossen von Basaltornamenten in pflanzlichen Formen. Dieser Lokalheiligen aus Lissabon war das Gotteshaus ursprünglich geweiht.

In der Rua Walter Bensaúde gegenüber der Kirche stehen einige Häuser, die wahrscheinlich aus dem 18. Jh. stammen und deren Fassaden Ende des 19. Jhs. mit Fliesen verziert wurden. Damals waren Wandfliesen in den brasilianischen Städten Mode; Rückkehrer aus Brasilien und die fallenden Preise aufgrund der industriellen Fertigung begünstigten ihre Einführung auf den Azoren. Ende des 19. Jhs. begann Gusseisen die traditionellen Holzgeländer der Balkone zu ersetzen, die noch an einigen alten Häusern in der Rua Walter Bensaúde und in ihrer geraden Verlängerung, der Rua Serpa Pinto (z.B. am Haus Nr. 26 aus dem 16./17. Jh.) zu sehen sind.

Geht man links am Postamt vorbei die Rua Ernesto Rebelo (dort zwei schöne Herrenhäuser aus dem 17. und 18. Jh.) und die Rua D. Pedro weiter, so erreicht man das imposante Vereinsgebäude der Sociedade Amor da Pátria („Gesellschaft der Vaterlandsliebe"), einer 1856 gegründeten Freimaurer-Loge. Der Bau wurde 1931-1934 im Art Déco-Stil errichtet. Das Gebäude zieren Freimaurer-Symbole, ein Hortensienfries, das Stadtwappen von Horta sowie das portugiesische Staatswappen. Die Freitreppe ist gesäumt von zwei Drachenbäumen. Das Mosaik im Absatz der Freitreppe zeigt eine Raute, das Symbol der Freimaurer, die den Schriftzug „Salve" (sei gegrüßt) einrahmt.

Rechts am Império dos Nobres vorbei, das an den Vulkanausbruch bei Praia do Norte im Jahr 1672 erinnert, erreicht man die Praça da República, einen hübschen Stadtgarten mit Musikpavillon. Auf seiner rechten Seite liegt der Markt mit Fischhalle. Der Stadtgarten entstand auf dem Gelände des ehemaligen Convento da Glória. Dieses Kloster wurde einst von Catarina de Utra Corte Real gegründet, der Tochter des dritten Legatskapitäns der Insel. 1608 stiftete sie das Gelände für den Bau eines Klosters zu Ehren von Nossa Senhora da Glória. Da das Kloster Ende des 19. Jhs. verfallen war, wurde es vom Stadtrat erworben, um hier einen Stadtpark anzulegen, der zugleich als Zufluchtsort für die Bevölkerung bei einem Erdbeben dienen sollte. Ursprünglich Largo da Glória genannt wurde der Platz am 19.10.1910 in Praça da República umbenannt, um an die Proklamation der ersten republikanischen Verfassung Portugals zu erinnern.

An der Nordwestecke des Stadtparks, wo die Alameda Barão de Roches abzweigt, steht ein schmuckes Haus im Stil des Art Déco. Von hier aus ist bereits der Glockenturm (Torre do Relógio) zu sehen, der als einziges von der alten Stadtpfarrkirche Nossa Senhora da Conceição am Largo D. Luís stehen geblieben ist. Das ursprünglich Anfang des 16. Jhs. erbaute Gotteshaus war wiederholt von Naturkatastrophen betroffen: 1808 bebte die Erde und im Dezember 1820 tobte ein Gewittersturm, bei dem der Altar vom Blitz getroffen wurde und Feuer fing. 1825 schließlich, als auch noch das Dach der Sakristei einbrach, wurde das marode Gotteshaus endgültig aufgegeben und abgerissen. Die Steine wurden zum Bau des neuen Marktes benutzt. Nur der Glockenturm (Anfang 18. Jh.) blieb erhalten, da er die einzige öffentliche Uhr in Horta besaß. Westlich angrenzend wurde schließlich vor dem ehemaligen Kloster São João ein kleiner Stadtgarten (Jardim Florêncio Terra) angelegt. Hauptzierde sind vier imposante Drachenbäume, die so dicht beisammen stehen, dass sie inzwischen eine gemeinsame Krone bilden. Das 1538 gegründete Kloster São João wurde 1836 unter der antiklerikalen Bewegung der Liberalisten aufgelöst. Das Gebäude am Stadtgarten diente später als Misericordia-Hospital und beherbergt heute die Fakultät für Ozeanografie der Universität der Azoren.

Durch die Rua de São João und dann eine Querstraße empor erreicht man die ehemalige, wiederholt durch Erdbeben beschädigte Karmeliterkirche.

Der Bau des Karmeliterklosters und seiner großartigen Kirche (Convento e Igreja Nossa Senhora do Carmo) vollzog sich ab 1698 über 100 Jahre. Nach dem Verbot der religiösen Orden wurde der Komplex nur durch den Einfluss von Dr. António José de Ávila (dem späteren Duque de Ávila e Bolama) gerettet. Der Orden durfte die Kirche behalten, während das angrenzende Klostergebäude in staatlichen Besitz überging und bis heute als militärische Garnison genutzt wird. Die imposante Fassade des Gotteshauses ist von zwei Zwiebeltürmen eingerahmt. Das Innere ist prachtvoll im Barockstil ausgestattet.

        Die „Woche des Meeres" (Semana do Mar) findet alljährlich seit 1975 vom ersten bis zum zweiten Sonntag im August in Horta statt. Dieses größte Fest der Insel ist den Seglern gewidmet. Im Jachthafen sind zu dieser Zeit fast alle Liegeplätze belegt und die Hotels sind meist ausgebucht. An den spannenden Regattas nehmen Segler aus aller Welt teil. Auch die schlangen Ruderboote (canoas), mit denen die Walfänger früher in See gestochen sind, liefern sich Wettrennen. Die festlich geschmückte Uferpromenade ist für den Verkehr gesperrt, an Imbissständen wird gebraten und gegrillt und auf einer großen Bühne treten allabendlich Gruppen auf. Folkloreveranstaltungen, ein Kunsthandwerksmarkt und ein Ausstellungszelt runden das Programm ab.

 

 

Faial von A-Z

 

Caldeira und Cabeço Gordo

Der wilde, von Wolken umwallte Kraterkessel der Caldeira von Faial gehört zu den großen Naturwundern der Erde. Von Horta kommend windet sich die Zufahrtsstraße, von prächtigen Hortensienhecken gesäumt, in vielen Serpentinen bergauf. Am Ende der Straße führt ein kurzer Fußgängertunnel durch den Kraterrand zu einer Aussichtsterrasse. Rund 300 m tief fällt der Blick von hier in die Caldeira hinab. Der steilwandige Kessel hat einen Durchmesser von 2000 m und einen Umfang von 7 km. Entstanden ist die Caldeira durch eine gewaltige Eruption vor wenigen tausend Jahren, als trachytischer Bims explosiv aus dem Krater geschleudert wurde. Auf dem sumpfigen, mit Moosen bewachsenen Kesselgrund lag einst ein Kratersee, der jedoch beim Ausbruch des Capelinhos-Vulkans in den Jahren 1957/58, als die ganze Insel durchgerüttelt wurde, durch Risse im Erdboden versickerte. An der höchsten Stelle des Kraterrandes erhebt sich der von einer Sendeantenne gekrönte Cabeço Gordo („Fetter Kopf"; 1043 m). Wenn nicht gerade Wolken die Sicht verwehren, ist der Ausblick von hier oben grandios. Im Osten fallen die grünen Hänge in das liebliche Tal von Flamengos ab; an der Küste ist deutlich Horta mit seinen beiden Buchten erkennbar. Jenseits der Meerenge erhebt sich der majestätische Pico aus den blauen Fluten. Im Westen schweift der Blick über die Kette der Vulkane bis zur Ponta dos Capelinhos.

 

Capelinhos

Die kahle und unwirtliche Urlandschaft an der Westspitze Faials entstand während eines gewaltigen Vulkanausbruchs im Meer, der am 27. September 1957 um 8 Uhr morgens etwa 1 km vor der damaligen Küste bei den Capelinhos-Inselchen begann und über ein Jahr andauerte - ungewöhnlich lang für eine unterseeische Eruption. Nachdem die Erde vor Beginn des Ausbruchs zehn Tage lang leicht gebebt hatte, traten anfänglich Dampf und Gase aus. Dann wurde durch schwere Explosionen schwarze salzige Asche über 1000 m hoch in die Luft geschleudert; weiße Wolken aus Wasserdampf schossen gar über 4000 m in den Himmel. In der letzten Phase flogen glühende Lavabrocken bis 500 m hoch in die Luft und glutflüssige Lavaströme ergossen sich zum Meer. Nachdem der Vulcão dos Capelinhos schließlich eine 2,4 qkm große Landmasse gebildet hatte, erlosch er am 24. Oktober 1958. Die Eruption an der Westspitze der Insel kam nicht völlig überraschend. Die Ponta dos Capelinhos liegt am Ende einer langen Kette von Vulkanen, zu denen auch die große Caldeira von Faial gehört. Diese Störungslinie lässt sich auch auf der Nachbarinsel Pico verfolgen. Relativ gesehen verlagert sich das vulkanische Zentrum jener Azoreninseln, die östlich des mittelatlantischen Rückens liegen, durch die plattentektonische Bewegung allmählich nach Westen. An den Westspitzen der Inseln sind daher die größten vulkanischen Aktivitäten zu erwarten.

Vorgewarnt durch leichte Erdstöße konnten die besorgten Bewohner der umliegenden Ortschaften ihre Häuser rechtzeitig verlassen, so dass keine Menschenleben zu beklagen waren. Die immer neuen, teilweise starken und über ein Jahr andauernden Beben richteten aber große Zerstörungen an und der vulkanische Ascheregen begrub Gebäude und Felder unter sich. Etwa 300 Häuser wurden vollständig zerstört, fast alle anderen Häuser im Westteil der Insel wurden beschädigt. Etwa 2000 Menschen mussten umgesiedelt werden; viele Inselbewohner, die alles bis auf das nackte Leben verloren hatten, entschlossen sich zur Emigration. Die Ruine des Leuchtturms, der einst an der Westspitze Faials gestanden hat und heute mit seinem Erdgeschoss in der Vulkanasche steckt, ist ein stummer Zeuge der Naturgewalten, die für ein Jahr die Menschen in Angst und Schrecken versetzt haben. Es sind dies allerdings die gleichen Naturkräfte, die die Azoren überhaupt erst haben entstehen lassen. Die kahle Landschaft gibt so eine anschauliche Vorstellung, wie die Inseln zum Zeitpunkt ihrer Geburt ausgesehen haben. Zugleich sorgen immer wieder neue Vulkanausbrüche dafür, dass sich das Meer die Inseln nicht rasch zurückholt. Anders gesagt: nur solange durch Vulkanismus mehr neues Land entsteht als durch die Abtragung verloren geht, können die Inseln überleben. Weniger als 1 qkm umfasste der Capelinhos-Vulkan 50 Jahre nach seiner Entstehung, mehr als die Hälfte sind also in dieser Zeitspanne bereits von Wind und Wasser abgetragen worden. An der Ponta dos Capelinhos lässt sich zugleich gut beobachten, wie und in welchem Tempo die Erstbesiedlung einer jungen, anfänglich kargen Landoberfläche durch Pflanzen abläuft. Pionierpflanzen wie Felsschwingel, Spanisches Rohr, Wandelröschen und Mittagsblume beginnen sich bereits anzusiedeln. Auf den feuchtwarmen, niederschlagsreichen Azoren dauert es je nach Bodenbeschaffenheit nur etwa 100-200 Jahre, bis sich saftiges Grün über eine Vulkanlandschaft legt. In dem unterirdischen Museum, das 2008 am alten Leuchtturm eröffnet wurde, ist der Vulkanausbruch eindrucksvoll dokumentiert.

 

Jardim Botânico

Der liebevoll angelegte Botanische Garten, neben der Quinta de São Lourenço an der Straße von Horta nach Flamengos gelegen, versammelt eine Vielzahl der auf den Azoren endemischen Pflanzenarten. Ein Besuch der kleinen Anlage lohnt sich allerdings nur für botanisch Interessierte.

 

Morro de Castelo Branco

Das auffällige Vorgebirge an der Südküste, der „Hügel des weißen Kastells", hat seinen Namen aufgrund der weißlichen Felsen erhalten. Es ist vor etwa 30.000 bis 40.000 Jahren entstanden, als ein Vulkan vor der Küste ausbrach und dickflüssiges Magma zutage förderte. Nach Erlöschen des Vulkans wurde die sehr dichte, aus hartem Trachyt bestehende Schlotfüllung durch die Erosion allmählich aus den umliegenden weicheren Gesteinsschichten herauspräpariert.

 

Parque Florestal do Capelho

Der Waldpark von Capelo ist ein schön angelegtes Picknickgebiet mit Grillplätzen. Sehenswert ist das typisch azoreanische Bauernhaus, das hier zu Demonstrationszwecken aufgebaut wurde. Im Erdgeschoss, der loja, gibt es zwei Räume: der Weinkeller (adega) mit Weinpresse und Fässern sowie die Hausmühle (atafona), die von einem Esel oder kleinen Ochsen angetrieben wurde. Im Obergeschoss des Hauses befindet sich die Küche mit dem großen Backofen. Außerdem befinden sich hier die Schlafzimmer und die gute Stube. Neben dem Haus liegt eine kreisförmige Dreschtenne (eira), wo das Getreide gedroschen und Bohnen enthülst wurden. Die Dreschtenne ist mit Steinen eingefasst; traditionell bestand der Boden aus gestampfter Erde. Außerdem gibt es eine Wasserzisterne zum Auffangen von Regenwasser, einen kleinen Obstgarten, einen Schweinestall, ein Trockengestell für Mais und eine Außentoilette.

 

Ponta da Espalamaca

Im Norden wird die große Bucht von Horta von der Ponta da Espalamaca begrenzt, einem Vorgebirge, das steil ins Meer abfällt. Der Name geht auf die flämischen Siedler des 15. Jhs. zurück (flämisch „Speldenmaker", d.h. Nadelmacher). Einstmals standen zahlreiche Windmühlen wie auf einer Perlenkette aufgereiht auf dem Bergrücken. Einige wurden restauriert und sind mit ihren roten Turmhauben ein schönes Fotomotiv. Vom Aussichtspunkt an der Marienstatue (Nossa Senhora da Conceição) bietet sich ein großartiger Blick auf Horta und in der Gegenrichtung zur Praia do Almoxarife. Landeinwärts steigen die grünen Hänge zur Caldeira an. Der Blick aufs Meer geht hinüber zum Pico; am Horizont zeichnet sich die lang gestreckte Insel São Jorge ab.

 

Praia da Ribeira das Cabras

Bei Praia do Norte zweigt ein Sträßchen zur kleinen Streusiedlung Fajã mit ihrer schlichten weißen Kapelle (18. Jh.) ab. An der Küste erstreckt sich ein langer Sandstrand vor der hohen Steilküste. Hier an der Praia da Ribeira das Cabras (Praia da Fajã) ist die Dünung besonders stark und fast immer muss mit hohen Wellen gerechnet werden - Vorsicht!

 

Praia do Almoxarife

Nördlich der Ponta da Espalamaca öffnet sich eine breite Talniederung zum Meer. Malerisch wacht die doppeltürmige Kirche Nossa Senhora da Graça (18. Jh.) über die Meeresbucht, an der sich der lange Sandstrand der Praia do Almoxarife erstreckt. Hier kann man mit Blick auf den Pico im Atlantik baden und sich anschließend in einem der kleinen Fischrestaurants stärken.

 

Varadouro

Bei einem efeuumrankten Herrenhaus (Vila Maria) zweigt die Stichstraße zur kleinen Sommerhaussiedlung Varadouro ab. An der Straßengabelung vor einem Brunnen geht es links zum Kurhaus mit seinen Thermalquellen, rechts zu einem Parkplatz. An der schwarzen Lavaküste kann man in natürlichen Felsenbecken baden. Restaurants mit schönem Ausblick laden zur Einkehr ein.

 

 

 

 

 

 

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Pico

Pico („ilha montanha"), die mit 445 qkm zweitgrößte Insel des Archipels, wird von dem gewaltigen namengebenden Vulkankegel beherrscht. Mit 2351 m ist der Pico der höchste Gipfel der Azoren und ganz Portugals. Höhe und Steilheit dieses wahrhaft majestätischen Vulkans, der sanft aus dem blauen Fluten des Atlantiks bis in die Wolken aufsteigt, sind kaum zu erahnen, bis man den ersten Fuß setzt und mit dem Aufstieg beginnt. Die Insel Pico bietet jedoch mehr als den beherrschenden Gipfel, denn das geologische Rückgrat der zweitgrößten Azoreninsel setzt sich weit nach Osten hin fort. Hier reiht sich auf einer mittleren Höhe von 800 m ein Vulkankegel an den anderen; verborgen in den Senken liegen kleine Seen.

Mit einem Alter von rund 300.000 Jahren ist Pico die jüngste Azoreninsel. Sie besteht aus dem dominierenden Schichtvulkan im Westen und dem älteren Vulkanrücken im Osten. Mit seinen bis zu 40 Grad steilen Hängen gilt der Pico als typischer Schichtvulkan. Vermutlich förderte der Schlot ziemlich zähflüssige Lava, die nicht weit floss, ehe sie erkaltete und erstarrte; auf diese Weise konnte um den Schlot herum allmählich der steile Vulkankegel entstehen. Die Schwefelausgasungen auf der Spitze zeigen, dass der Pico ein schlafender Vulkan ist, der jederzeit wieder ausbrechen kann. Der Hauptkrater (Pico Grande) besitzt einen Durchmesser von über 500 m und fällt auf der Innenseite rund 30 m schroff ab - ein beeindruckender Anblick. Auf dem Kraterrand erhebt sich der steile, rund 50 m hohe Lavakegel des Piquinho. Von der Spitze bietet sich ein atemberaubender Blick auf alle Inseln der Mittelgruppe. (Die Inseln der Ost- und Westgruppe sind aufgrund der Erdkrümmung auch bei guter Sicht von hier nicht erkennbar.)

Der Westen und die Mitte der Insel waren bis in historische Zeit von Vulkanausbrüchen betroffen. Hier hat sich auch 1718 auf 1300 m Höhe an den Hängen des Pico die jüngste Eruption ereignet. Der Lavastrom floss nach Norden und erreichte bei Santa Luzia die Küste. Auf solchen felsigen jungvulkanischen Lavadecken, genannt mistérios („Mysterien, Geheimnisse"), konnte sich bisher kaum eine Bodenkrume bilden. Auf den feuchtwarmen Azoren erobert die Natur solche Gebiete jedoch binnen weniger Jahrhunderte, da die genügsamen Pflanzen in dem verwitternden Gestein genügend Nährstoffe und Wasser zum Gedeihen finden. Ältere mistérios sind daher mit Wald bedeckt. In niedrigeren Höhenlagen, gerade auch in Küstennähe, haben die Menschen jedoch keine Mühe gescheut, mistérios in Kulturland umzuwandeln. Alle herumliegenden Lavabrocken in dem felsigen Gelände wurden zu Steinmäuerchen und bisweilen sogar zu Lesesteinhaufen (maroiços, an den westlichen Pico-Hängen bis zur Küste hinab) zusammengetragen. Durch das labyrinthische Gewirr der Mauern entstanden kleine geschützte Gevierte (curais). In diesen sogenannten Lavagärten werden insbesondere Wein (bis maximal 100 m Meereshöhe), aber auch Feigen und anderes Obst (bis 300 m Meereshöhe) kultiviert. Oberhalb der Obstbauzone schließt sich saftiges Weideland an.

Die Besiedlung der Insel, die ursprünglich São Luís hieß, begann um 1460 im Süden der Insel bei der heutigen Ortschaft Lajes. Hier gingen die ersten Siedler an Land, wohl angelockt von der geschützten Bucht. Lajes do Pico war über Jahrhunderte ein Zentrum des Walfangs, der für die ganze Insel Pico von großer wirtschaftlicher Bedeutung war. Die Männer von Pico galten als ganz besonders mutige Walfänger; Herman Melville hat ihnen in seinem Roman „Moby Dick" ein literarisches Denkmal gesetzt. Heute kann man an Schiffsausflügen zur Walbeobachtung (whale watching) teilnehmen, die vor Ort von verschiedenen Veranstaltern angeboten werden. Rund 15.000 Bewohner leben auf Pico.

 

Madalena

Hauptstadt von Pico ist Madalena, dessen Häuser sich um den kleinen Hafen scharen. Von hier bestehen regelmäßige Fährverbindungen nach Horta/Faial sowie auch zur Nachbarinsel São Jorge (diese drei Inseln bilden für den Schiffsverkehr das sogenannte triângulo, Dreieck). Dem Hafen verdankt Madalena seine Bedeutung, denn von hier aus wurden über Jahrhunderte die landwirtschaftlichen Produkte der Insel - insbesondere Wein, aber auch Obst und Käse - nach Faial verschifft. Vor der Küste erheben sich zwei von Seevögeln bewohnte Felsen aus dem Wasser, an denen die Fährboote dicht vorbeifahren. Es sind die stehen gebliebenen Reste eines alten Vulkankegels, der größtenteils wieder im Meer versunken ist: Ilhéu Deltado („liegende Insel") und Ilhéu em Pé („stehende Insel"). Über den Hafen wacht die Kirche Santa Maria Madalena (Mitte 17. Jh.), das größte Gotteshaus der Insel. Zur wertvollen barocken Ausstattung gehören die Heiligenbilder, das vergoldete Schnitzwerk im Chor und in den Seitenaltären sowie die Fliesenbilder. Gleich hinter der Kirche steht der niedrige Bau des Rathauses (18. Jh.) mit dem bunten Stadtwappen über dem Portal.

 

 

Pico von A-Z

 

Areia Larga

Im Süden von Madalena liegt der Vorort Areia Larga mit einem kleinen Hafen, den die Schiffe früher anliefen, wenn der Hafen von Madalena wegen schlechten Wetters nicht zugänglich war. Im 18. und Anfang des 19. Jhs. erbauten sich auf Faial ansässige Großgrundbesitzer, die in dieser Gegend Weinberge besaßen, herrschaftliche Sommerhäuser. Der schlichte Baustil verrät nichts vom einstigen Wohlstand der sogenannten Verdelho-Barone. Im Erdgeschoss wurde der Wein gekeltert, während man das Obergeschoss, wo die Wohnräume lagen, meist über eine überdachte Außentreppe erreichte. Im Innenhof, der von Lagerräumen umgeben war, befand sich ein Gezeitenbrunnen. Bäume - häufig Drachenbäume - spendeten Schatten. In Areia Larga befindet sich auch die Winzergenossenschaft von Pico.

 

Baía de Canas

Mit seinen alten Weinkellern aus schwarzem Basaltgestein erinnert das Winzerdorf Baía de Canas an die goldenen Zeiten, als der Weinbau auf Pico prosperierte. Die Landzunge Ponta do Mistério entstand 1572, als bei einem Vulkanausbruch flüssige Lava ins Meer floss. Mit viel Mühen gelang es den Menschen, dem felsigen Boden etwas Ertrag abzuringen, doch heute ergreift wieder die Natur Besitz von den Feldern.

 

Cabeço das Cabras

Am „Ziegenkopf" (Cabeço das Cabras, 1231 m), wo die Straße endet, empfängt eine Berghütte die Pico-Besteiger. Hier beginnt nach der Registrierung der Aufstieg über rund 1000 Höhenmeter zum Pico-Gipfel.

 

Calheta de Nesquim

Ebenso wie Lajes ist auch Calheta de Nesquim eng mit der Geschichte des Walfangs verbunden. Oberhalb des Fischerhafens mit seinen bunten Booten thront die Kirche São Sebastião (19. Jh.).

 

Criação Velha

Südlich von Madalena liegt die Ortschaft Criação Velha, dessen Pfarrkirche sich am oberen Ende einer Allee erhebt. Zur Küste hin erstrecken sich steinig-felsige Weinberge, so weit das Auge reicht. Das Gebiet mit seinen zahllosen, auf felsigen Lavaböden angelegten und von dunklen Trockenmauern eingefassten Weinbergen gehört zur UNECSO-Schutzzone des Weinbaus auf Pico. Inmitten dieser Region steht eine rote Windmühle. Dem felsigen Untergrund (lajes „Felsplatten") verdankten die Weinberge ihren Namen „lajidos", der sich auch auf manchem Weinetikett findet.

 

Furna de Frei Matias

Die Furna de Frei Matias („Höhle des Klosterbruders Matthias") gehört zu den zahlreichen Lavaröhren an den Hängen des Pico. Meist bleiben solche Lavaröhren dem Auge verborgen, da sie im Untergrund liegen. Die Furna de Frei Matias ist jedoch an zwei Stellen eingestürzt und daher von außen zugänglich. Dort, wo Tageslicht in die Höhle fällt, ist ein wertvolles, üppig grünes Feuchtbiotop mit Farnen, Moosen und anderen Gewächsen entstanden. Benannt ist die Furna nach einem Einsiedler, der hier meditierend nach Erleuchtung strebte.

 

Gruta das Torres

Oberhalb von Criaçao Velha erstreckt sich die Gruta das Torres. Diese gewaltige, über 5 km lange und bis 15 m hohe Lavaröhre ist die größte der Azoren. Ein Teil von ihr kann im Rahmen einer etwa 45-minütigen Führung besichtigt werden. Die Temperatur in der Höhle liegt ganzjährig bei 15 °C. Ein Besucherzentrum informiert über alle Besonderheiten der Höhle.

 

Lagoa do Capitão

Im einsamen Hochland von Pico, das teilweise als Schutzgebiet ausgewiesen und mit urwüchsiger Vegetation bedeckt ist, liegt die Lagoa do Capitão. Zauberhaft spiegelt sich die Landschaft in dem stillen Kratersee. In östlicher Richtung kommen weitere Kraterseen, darunter die Lagoa do Caiado und die Lagoa do Paúl.

 

Lajes

An der geschützten Bucht von Lajes do Pico gingen um 1460 die ersten Siedler an Land. Aus dieser Zeit stammt noch die Kapelle São Pedro an der Küste. Im Ortszentrum steht die zweitürmige Pfarrkirche Nossa Senhora da Conceição, daneben das im ehemaligen Franziskanerkloster untergebrachte Rathaus. Rund um den Largo General Lacerda Machado stehen stattliche Wohnhäuser des 17. und 18. Jhs.. Die Küste reicht flach ins Meer hinaus. Nach den hier anstehenden vulkanischen Felsplatten („lajes") ist die Ortschaft benannt. Bewacht werden Ort und Hafen von der ehemaligen Festung Santa Catarina. Lajes war im 19. und 20. Jh. der bedeutendste Walfanghafen Picos, worüber das Museu dos Baleeiros (Walfängermuseum) auf faszinierende Weise informiert. Es ist in drei ehemaligen Bootshäusern am Hafen (Rua dos Baleeiros) untergebracht.

 

Museu dos Vinhos do Pico

Das Weinmuseum von Pico befindet sich in der Adega dos Frates in Madalena, einem ehemaligen Landgut der Karmeliter aus dem 17. Jh.. Neben der Ausstellung von Gerätschaften und alten Fotos kann man die Außenanlagen besichtigen und auch einen Blick in die alte Destille werfen. Beeindruckend ist auch der Hain aus Drachenbäumen mit dem ältesten Exemplar der Azoren. Mit einem geschätzten Alter von 800 Jahren gilt er als zweitältester Drachenbaum überhaupt (der älteste steht auf Gran Canaria).

 

Piedade

An der Ostspitze von Pico liegt die kleine Ortschaft Piedade („Frömmigkeit"). Die heutige Dorfkirche Nossa Senhora da Piedade wurde über dem alten, 1757 bei einem Erdbeben zerstörten Gotteshaus erbaut.

 

Santa Luzia

Inmitten des traditionellen Anbaugebietes der „Lajido"-Weine (Zone des UNESCO-Welterbes) liegt Santa Luzia. Geschützt wachsen die Weinstöcke zwischen mühsam aufgeschichteten Trockenmauern in dem steinigen, von der Sonne durchglühten Terrain. Dazwischen verlaufen alte, tief eingefurchte Karrenwege zur felsigen Küste hinab. Die Spurrillen stammen von den Rädern der Ochsenkarren, die über Jahrhunderte zu den Keltern und dem Verladehafen am Meer hinabrollten, schwer beladen mit den wertvollen Reben. An der Küste unterhalb von Santa Luzia liegt das alte Winzerdorf Lajido (de Santa Luzia) mit seinen aus schwarzer Lava erbauten Steinhäusern. Die historische Weinkellerei mit der alten Destille ist heute Museum und stets für Besucher geöffnet. Wenn die Weinlese stattfindet, herrscht hier rege Betriebsamkeit, denn nach althergebrachter Methode werden Weine erzeugt und Schnäpse (aguardentes) gebrannt. Die Weinfässer wurden einst von der winzigen Anlegestelle an der Felsküste zum Überseehafen von Horta verschifft.

 

Santo Amaro

In Santo Amaro werden nach alter handwerklicher Tradition Holzboote gebaut. Die kleine Werft lässt sich besichtigen. Lohnend ist auch ein Besuch der Schule für Kunsthandwerk, wo u.a. handgeflochtene Strohhüte - die traditionelle Kopfbedeckung auf Pico - verkauft werden.

 

São João

In dem kleinen ehemaligen Fischerhafen gibt es das Museu de Cachalote e Lula. Es informiert über die Biologie der Pottwale und Garnelen, ihre hauptsächliche Nahrung.

 

São Mateus

Zu den ältesten Ansiedlungen auf Pico gehört São Mateus. In den Zeiten des Walfangs hatte die Ortschaft einen bedeutenden Hafen. Beherrscht wird São Mateus von der Wallfahrtskirche Bom Jesus Milagroso.

 

São Roque / Cais do Pico

São Roque do Pico ist die zweitälteste Ansiedlung der Insel und mit dem Cais do Pico der wichtigste Hafen an der Nordküste von Pico. Beherrscht wird der Ort von der etwas erhöht stehenden, barocken Pfarrkirche (18. Jh.) mit ihrer wertvollen Innenausstattung. Neben dem heutigen Fracht- und Fährhafen liegt der alte Fischerhafen, von dem aus früher die Walfänger in See gestochen sind. Am Hafen steht noch die ehemalige Walfabrik in der Rua do Poço. Sie war von den 1940er Jahren bis 1984 in Betrieb und dient heute als Museum der Walfang-Industrie (Museu da Industria Baleeira). Im Unterschied zum Museum in Lajes, das dem Walfang selbst gewidmet ist, erfährt man hier - ähnlich wie im Centro do Mar in Horta/Faial - auf anschauliche Weise, wie die Pottwale verarbeitet und verschiedene Produkte wie Tran und „Mehl" hergestellt wurden. Unweit der Pfarrkirche steht die Kirche São Pedro de Alcântara (18. Jh.) mit dem zugehörigen Kloster an einem baumbestandenen Vorplatz. Im Inneren überrascht die reiche barocke Ausstattung, zu der vergoldete Schnitzaltäre und Fliesenbilder im Chor gehören. Das reinste Postkartenmotiv bietet sich vom Hafen aus auf das idyllische Ensemble mit dem Pico im Hintergrund.

 

 

 

 

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Sao Jorge

Mit hohen, grünen Steilküsten erhebt sich São Jorge („Sankt Georg") aus dem Meer. Ganze 56 km lang, aber nur maximal 8 km breit ist die 244 qkm große Insel, die auch „Ilha do Dragão" (Dracheninsel) genannt wird - einmal wegen ihrer lang gestreckte Form, aber auch, weil der heilige Georg, der Drachentöter, Schutzpatron der Insel ist. Sein Fest wird alljährlich am 23. April in Velas gefeiert. Wie an einer Perlenkette aufgereiht sind die Vulkankegel auf dem sanft gewellten Hochland, das sich im Mittel auf 700 m Meereshöhe erstreckt. Nahezu unvermittelt fallen die Steilküsten über rund 300 Höhenmeter ab - ein atemberaubender Anblick. São Jorge hat 9500 Einwohner. Fast alle Ortschaften liegen am Fuße der Steilwände auf schmalen, fächerförmigen Küstenebenen (fajãs) und sind teilweise bis heute nur auf Pfaden erreichbar. Die nahezu unbesiedelte Hochfläche ist vor allem im Winter oft in Nebel gehüllt.

Fajãs sind kleine Küstenniederungen am Fuße von Steilküsten. Besonders spektakulär sind die fajãs von São Jorge, gibt es hier doch 46 an der Zahl (30 an der Nord- und 16 an der Südküste), aber auch auf anderen Azoreninseln kommen sie vor. Sie entstehen entweder durch gewaltige, von Beben ausgelöste Erdrutsche (z.B. Fajã do Santo Cristo) oder durch Lavaströme, die sich ins Meer ergießen (z.B. Fajã do Ouvidor). Auf diesen Küstenniederungen liegen kleine Weiler; in den Gärten werden Tropenfrüchte und Gemüse angebaut. Auf manchen fajãs gibt es sogar einen kleinen See, der von einem die Klippen herabstürzenden Flüsschen gespeist wird. Die meisten dieser abgelegenen Weiler wurden in den 1980er Jahren (insbesondere nach dem zerstörerischen Erdbeben von 1980) aufgegeben, da sie nur über Fußwege erreichbar waren. Durch den Bau neuer Straßen (und leider auch durch die Erreichbarkeit mit Quads, die die alten Fußwege befahren) wurden einige Ansiedlungen wiederbelebt und alte Häuser renoviert, die jetzt zumeist als Ferienhäuser genutzt werden.

Neben den grandiosen landschaftlichen Reizen bietet São Jorge - wie keine andere Insel der Mittelgruppe - hinreißende Ausblicke auf die Nachbarinseln. Alte Pfade zu den fajãs und neu angelegte Schotterwege auf der Hochfläche ermöglichen einige der schönsten Wanderungen auf den Azoren.

 

Velas

Velas ist mit Sicherheit die älteste Ansiedlung auf São Jorge. Das etwas verschlafen wirkende, typisch azoreanische Städtchen mit seinen hübschen Häusern hat viel von seinem Reiz bewahrt. Am Hafen (Porto das Caravelas) vor der Steilküste kann man im Sommer nach Einbruch der Dunkelheit einem eigenartigen Schauspiel beiwohnen: Zahlreiche Gelbschnabel-Sturmtaucher (cagarros) fliegen nachts mit lautem, heiserem Ruf zu ihren Nestern an den Klippen. Durch das Hafentor Portão do Mar gelangt man seit 1799 in die Stadt.

Die Georgskirche (Igreja Matriz de São Jorge) war das erste Gotteshaus der Insel. Die Erbauung geht auf eine testamentarische Verfügung von Prinz Heinrich dem Seefahrer im Jahr 1460 zurück. Im 16. Jh. wurde der Chor erbaut, um den eindrucksvollen vergoldeten Holzschnitzaltar aufzunehmen, der von König Sebastian 1570 gestiftet wurde. 1675 wurde das Gotteshaus umgebaut. Der Glockenturm stammt aus dem Jahr 1825. Der vergoldete Holzschnitzaltar gehört zu den ersten Arbeiten im Stil des Manierismus in Portugal. Er ist durch Säulen, Pilaster, Absätze, Konsolen und Nischen gegliedert, die sich zweistöckig anordnen. Die Georgsstatue (1896) in der Altarmitte zeigt den Heiligen nicht reitend zu Pferde, sondern stehend. In der unteren Reihe rechts Maria Magdalena (vergoldete und farbig bemalte Zedernholzstatue, 18. Jh.), links der französische König Ludwig der Heilige (ebenfalls vergoldete und farbig bemalte Zedernholzstatue, 1. Hälfte 17. Jh.). Diese Statue zeigt deutlich den Einfluss der flämischen Schule von Malines. Die beiden vorderen Seitenkapellen wurden 1573 erbaut. In der linken Kapelle des hl. Sakramentes steht das Allerheiligste - ein vergoldeter Rokokoschrein aus Kastanienholz. Auf dem Türchen ist der heilige Franziskus kniend beim Gebet dargestellt.

Von der Georgskirche gelangt man am Café Açor vorbei (einem Bau im Stil des Art déco) in die kleine Fußgängerzone von Velas. Das Pflaster mit seinen inseltypischen Motiven wurde 2007 gelegt. Man erreicht die Praça da República mit dem Rathaus und dem kleinen Stadtgarten, in dessen Mitte der Musikpavillon steht.

Der älteste Bau des Rathauses muss um 1490 oder kurz danach entstanden sein, da die Verleihung der Stadrechte schon um 1500 erfolgte. Das heutige Rathaus (Paços do Conselho) entstand 1719-1744 und ist ein schönes Beispiel für einen Profanbau im azoreanischen Barockstil. Im 18. und 19. Jh. diente das Rathaus auch als Gerichtshof und Gefängnis; bis zum Neubau des Justizgebäudes 1973 wurde hier Recht gesprochen. Das aufwändig gestaltete Eingangsportal mit dem portugiesischen Wappen über dem Türsturz wird von zwei gedrehten Säulen flankiert. Die beiden Türen links davon (ursprünglich waren es Fenster) führten einst in den Kornspeicher. Hinter den vier vergitterten Fenster rechts vom Eingangsportal befand sich früher das Frauengefängnis.

Die Praça da República, der Platz der Republik, ist liebevoll als kleiner Stadtgarten angelegt. Inmitten der gepflegten Grünanlage steht der Musikpavillon (coreto), der vielen als der schönste der Azoren gilt. Als man ihn 2002 durch einen viel größeren Neubau ersetzen wollte und den alten Musikpavillon bereits abgerissen hatte, sah man mit Entsetzen das völlig überdimensionierte neue Bauwerk emporwachsen. Kurzerhand entschied man sich, dieses Bauvorhaben zu stoppen, und rekonstruierte daraufhin den alten Pavillon.

An der dunklen, bizarr zerklüfteten Lavaküste kann man an zwei angelegten Badeplätzen im Meer baden. Eine Laune der Natur hat hier einen Felsbogen geschaffen.

 

 

São Jorge von A-Z

 

Calheta

Der einstmals wichtige Hafenort erstreckt sich längs des Hafens am Largo do Cais. Sehenswert sind die Barockkirche Santa Catarina (18. Jh.) und das Museum von São Jorge (Rua José Azevedo da Cunha), das ein eingerichtetes ländliches Wohnhaus zeigt.

 

Igreja de Santa Bárbara

Die Pfarrkirche Santa Bárbara in Manadas ist ein besonders schönes Beispiel für den ländlichen, gleichsam naiven Barockstil der Azoren. Die äußerlich bescheidene, von einem Glockenturm flankierte Fassade verrät nichts von der barocken Pracht in ihrem Innern. Der heutige Bau stammt von 1770; diese Jahreszahl ist über dem Portal eingemeißelt.

Ältester Teil des Gotteshauses ist die jetzige Sakristei, die auf eine Kapelle aus dem Jahr 1485 zurückgeht. Sie wurde erbaut, nachdem - so will es die Legende - ein Bildnis der heiligen Barbara zusammen mit einem Stein, in den ein Kreuz eingemeißelt ist, an der Küste gefunden worden war. Dieser Stein ist heute auf dem Mäuerchen neben dem Turm angebracht. In der Sakristei steht ein schöner Holztisch mit Intarsien (1799), der Turm, Krone der Jungfräulichkeit, Schwert und Märtyrerpalme der heiligen Barbara sowie das Wappen des portugiesischen Königshauses mit der königlichen Krone zeigt.

        Die durch den Umbau 1770 entstandene heutige Kirche beeindruckt durch ihre reiche barocke Ausstattung. Aus jener Zeit stammen der vergoldete, holzgeschnitzte Hochaltar sowie die vier Gemälde auf Holzgrund und die sechs Fliesenbilder im Chor. Den Hochaltar zieren eine vergoldete und versilberte Zedernholzstatue der heiligen Barbara (1610) sowie links die Statue des heiligen Petrus (17. Jh.) und rechts die Statue des heiligen Sebastian (17. Jh.). Unter diesen beiden Heiligenfiguren sind vergoldete Adler im Hochrelief dargestellt, die den Sieg des Glaubens über den Unglauben symbolisieren. Die Gemälde im Chor zeigen Christi Geburt, das Abendmahl, Christi Himmelfahrt, Mariä Himmelfahrt und die vier Evangelisten.

Die sechs Fliesenbilder an den Seitenwänden im unteren Teil des Chors illustrieren Szenen aus dem Leben der heiligen Barbara. Nach der Legende widersetzte sie sich einer Zwangsheirat, wurde von ihrem Vater in einen Turm eingesperrt und ließ sich gegen seinen Willen zum Christentum bekehren. Später wurde sie von ihm mit dem Schwert enthauptet. Die Fliesenbilder von links nach rechts: 1) Geburt der heiligen Barbara im 3. oder 4. Jh. im herrschaftlichen Haus ihrer Eltern am Rande des Marmarameeres; ihre Mutter ist als Wöchnerin abgebildet. 2) Barbara wird durch ihren Vater in einen Turm gesperrt. 3) Verurteilung zum Tode, weil sie zum Christentum übergetreten ist. 4) Gang zum Martyrium, von Soldaten begleitet. 5) Enthauptung durch den Vater. Danach Tod des Vaters durch Blitzschlag. 6) Heiligsprechung.

Die Kassettendecke aus Zedernholz des Kirchenschiffs zieren Darstellungen der hl. Barbara und des hl. Georg sowie der Taube als Symbol des Heiligen Geistes. Von Weinlaub umrankte Säulen flankieren die Seitenaltäre. Marmor, der teuer vom Festland hätte importiert werden müssen, wurde durch eine imitierende Bemalung ersetzt.

 

Morro Grande

Auf dem Morro Grande („Großer Hügel"), dem Hausberg von Velas, steht der Turm eines alten Walausgucks (vigia da baleia). Für den Aufstieg auf den Vulkankegel wird man mit einer herrlichen Aussicht auf Velas und hinüber zur Nachbarinsel Pico belohnt. Völlig unerwartet ist auch der Blick in den Kraterkessel. Am Fuße des Morro Grande steht die Kapelle Nossa Senhora do Livramento.

 

Norte Grande

In der Ortsmitte des kleinen, auf der Hochfläche gelegenen Dorfes Norte Grande steht die Kirche Nossa Senhora das Neves (Unsere Liebe Frau des Schnees). Hier zweigt eine Straße ab, die zu einem atemberaubenden Aussichtspunkt auf die Fajã do Ouvidor führt. 300 m fällt der Blick fast senkrecht über die dicht bewachsene Steilküste hinunter.

 

Parque Sete Fontes

Wie ein Märchenwald mutet der zauberhafte Waldpark Sete Fontes („Sieben Quellen") an. Er liegt auf der einsamen Hochfläche im Westen der Insel. Verstreut in dem Wäldchen mit Kamelien, prächtigen Baumfarnen und weiteren exotischen Pflanzen finden sich Picknickplätze, Grillstellen und eine Schutzhütte. An der breiten Straßenverzweigung am Waldpark steht ein von Auswanderern gestiftetes Reliefmodell der Insel mit Walfängerboot.

 

Pico da Esperança

Der Pico da Esperança (Gipfel der Hoffnung) ist mit 1053 m die höchste Erhebung auf São Jorge. Der Gipfel ist häufig in Wolken gehüllt, doch bei freier Sicht bietet sich ein atemberaubendes Panorama. Alle Nachbarinseln der Mittelgruppe sind von hier aus sichtbar.

 

Ponta dos Rosais

Auf der Hochfläche an der westlichen Landspitze, der Ponta dos Rosais, steht ein funktioneller, 1958 erbauter Leuchtturm (Farol). Die zugehörigen Gebäude wurden durch das Erdbeben 1980 beschädigt und liegen in Ruinen. Links bietet sich von einem Aussichtspunkt ein großartiger Blick auf die Felsnadeln an der Landspitze hinab. Jenseits des Meeres erheben sich Faial und Pico.

 

Ribeira Seca

In der Ortschaft sehenswert ist der Herrensitz der Noronhas mit einer Hauskapelle (1782), deren Portal mit Vögeln und Sirenen verziert ist. Interessant ist auch das Chalet mit hohem Schornstein und umlaufender Terrasse, das sich ein Rückkehrer aus Hawaii Ende des 19. Jhs. erbauen ließ.

 

Topo

An der Ostspitze der Insel liegt die einst von Flamen gegründete Ortschaft Topo mit ihrem bescheidenen Fischerhafen. Die Kirche Nossa Senhora do Rosário (16. Jh., erweitert im 18. Jh.) scheint sich förmlich neben ihrem massigen Glockenturm zu ducken. An der Fassade ist die Schutzpatronin Unsere Liebe Frau des Rosenkranzes zu sehen. Passend zur Insel zeigen die holzgeschnitzten Altäre Fischer und Boote, Jäger und andere Figuren.

Vor der Landspitze, auf der ein Leuchtturm steht, liegt die Ilhéu do Topo, eine flache, karge Insel, auf der Rinder weiden.

 

Urzelina

Der Name des Dörfchens leitet sich vom portugiesischen Namen der Orseilleflechte (urzela) ab, die früher als Färbemittel verwendet wurde. Als 1808 der Pico das Caldeirinhas hoch oben in den Bergen ausbrach, begrub der glühende Lavastrom, der sich die Hänge hinabwälzte, die meisten Häuser von Urzelina unter sich. Stummer Zeuge dieser Naturgewalten ist der alte Kirchturm von Urzelina, der sich heute am Rand der Lavadecke erhebt, während das Gotteshaus zerstört wurde. Als Ersatz entstand 1822 die große doppeltürmige Pfarrkirche São Mateus.

 

Fajã das Almas

Die Häuser der kleinen, auf einer Küstenebene gelegenen Streusiedlung Fajã das Almas scharen sich um zwei Kapellen und ein altes Hafentor. Das nahezu tropische Mikroklima ermöglicht sogar den Anbau von Kaffee.

 

Fajã de Além

Nur zu Fuß über zwei Fußwege ist die Fajã de Além mit ihren wenigen Sommerhäusern erreichbar.

 

Fajã de Santo Cristo

Nur zu Fuß - entweder von der Fajã dos Cubres oder von der Serra do Topo aus - ist die Fajã de Santo Cristo erreichbar. Hinter dem Kiesstrand, der zum Wall aufgeschoben wurde, liegt ein See. Die wenigen Häuser scharen sich um ein kleines Kirchlein.

 

 

Fajã de São João

Nur zu Fuß auf alten Wegen oder über eine schmale Zufahrtsstraße erreichbar, die sich in abenteuerlichen Kehren die Steilküste hinabschlängelt, ist die Fajã de São João. Rückkehrer haben viele der alten Steinhäuser liebevoll restauriert, Früchte aller Art gedeihen in den üppigen Gärten. In der Ortsmitte neben der Bar steht ein imposanter Drachenbaum, viele weitere Drachenbäume gedeihen verstreut an den Steilhängen. Im nahen Tal der Ribeira de São João stehen alte Wassermühlen zwischen Yamsfeldern. Die Johanneskapelle (Ermida de São João) im Ort wurde ursprünglich 1550-1650 erbaut, aber 1895 erneuert. Beeinflusst durch amerikanische Sakralarchitektur wurde damals der Glockenturm vor dem Eingang angefügt. Das Bild des idyllischen Kirchleins vor dem Hintergrund der Steilküste ist eines der beliebtesten Fotomotive der Insel. Das Fest des heiligen Johannes wird am 22.-24. Juni gefeiert.

 

Fajã do João Dias

Bis heute mit dem Auto unerreichbar liegt die Fajã do João Dias abgeschieden von der Außenwelt an der Nordküste. Auf der kleinen Küstenniederung stehen eine Handvoll Häuser. Einzige Verbindung zur Außenwelt ist ein alter Fußweg, der sich kunstvoll am Steilhang emporschlängelt. Lasten werden bis heute auf dem Rücken von Maultieren transportiert. Bei ruhiger See kann auch ein kleines Fischerboot in der Bucht anlegen.

 

Fajã do Ouvidor

Die Fajã do Ouvidor erhielt ihren Namen in den Zeiten der Monarchie nach dem Ouvidor (Auditor), der sich hier niedergelassen hatte. Auf jeder Insel gab es damals einen solchen Beamten, um den König über Missstände zu informieren und Abhilfe zu schaffen. Die Häuser mit ihren kleinen Feldern stehen verstreut auf der kleinen Küstenniederung aus schwarzem Lavagestein; an der Landspitze steht ein Mini-Leuchtturm. Der kleine Hafen in der Bucht ist nur bei sehr ruhiger See zugänglich. In den tief eingeschnittenen Klippen auf der anderen Seite der Fajã führt ein Treppenweg zu einem schwarzen Felsenbecken hinab - ein urgewaltiges Badeerlebnis!

 

Fajã dos Bodes

Auf der Fajã dos Bodes scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. In einer alten Wassermühle wird bis heute Mais gemahlen.

 

Fajã dos Cubres

Ein Kirchlein und eine Restaurantbar bilden den Mittelpunkt der Fajã dos Cubres. Sie ist auf alten Fußwegen, aber auch über eine Serpentinenstraße erreichbar; auf halber Höhe kommt ein Aussichtspunkt mit grandiosem Blick auf die fajãs an der Nordküste. Auf der Küstenniederung liegt ein kleiner See.

 

Fajã dos Vimes

Weit verstreut liegen die Häuser von Fajã dos Vimes am Fuße einer Steilküste. Die Kapelle ist dem heiligen Sebastian geweiht. Die Ortschaft ist bekannt für ihre schönen Webdecken, doch noch berühmter für den Kaffee, der hier angebaut wird. Im Café Nunes kann man diesen Kaffee aus örtlichem Anbau kosten.

 

 

 

 

 

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Graciosa

Graciosa, die „Liebliche", ist mit 61 qkm die zweitkleinste und mit einer maximalen Höhe von 402 m am Caldeirarand die niedrigste Azoreninsel. Das Fehlen größerer Erhebungen erklärt die relative Niederschlagsarmut; die Wahrscheinlichkeit, sonnige oder zumindest regenfreie Tage genießen zu können, ist auf Graciosa höher als auf den übrigen Inseln der Mittelgruppe. Sanft ansteigende Bergrücken sowie flache Kuppen prägen ihr Landschaftsbild. Zwischen den Bergrücken der Serra Branca, Serra Dormida und Serra dos Fontes im Inneren Graciosas liegen weite Hochtäler mit sanft abfallenden, terrassierten Hängen. Die Serra Dormida („Schlafender Bergrücken") kulminiert im Pico Timão, dem mit 398 m zweithöchsten Gipfel der Insel. Auf der Serra Branca steht eine Windkraftanlage.

Gerade einmal 4800 Bewohner zählt Graciosa. Aufgrund des relativ trockenen Klimas sind die Dörfer über die ganze Insel verstreut und nicht auf die Küste beschränkt. Das fruchtbare Land wird überwiegend ackerbaulich genutzt und ist von zahlreichen Steinmäuerchen unterteilt. Zum Reiz der Landschaft tragen auch die Windmühlen mit ihren roten Hauben bei. Die kleine gepflegte Hauptstadt Santa Cruz verrät, warum Graciosa den Beinamen Ilha Branca - Weiße Insel - trägt: traditionell werden die Häuser weiß getüncht.

Im Südosten der Insel liegt die Caldeira, ein großer Vulkankrater, der in seinem Innern eine besondere Attraktion birgt: Hier liegt die Furna do Enxofre („Schwefelhöhle"), auch Furna da Caldeira genannt, eine gewaltige Grotte mit einem unterirdischen Kratersee.

 

Santa Cruz da Graciosa

Das malerische Städtchen mit seinen weiß getünchten Häusern bildet ein harmonisches, über Jahrhunderte gewachsenes Ensemble ländlicher Architektur. Neben einfachen Häusern mit großen Schornsteinen stehen Herrenhäuser aus dem 18. und 19. Jh., zumeist in eingeschossiger Bauweise, mit kunstvollen Fenstereinrahmungen und schmucken Balkonen. In der Ortsmitte liegen zwei große Wasserbecken an einem parkartigen Platz mit hohen Araukarien. In früheren Zeiten diente eines der Reservoire zur Wasserversorgung der Bevölkerung, das andere als Viehtränke. Am zentralen Largo Conde de Simas steht das Rathaus (19. Jh.), ursprünglich die Residenz des Grafen von Simas, der auf Graciosa Großgrundbesitzer und Politiker war.

        Die Stadtpfarrkirche (Matriz), die Heilig-Kreuz-Kirche (Igreja da Santa Cruz), stammt ursprünglich aus dem 16. Jh. (aus dieser Zeit noch die Gewölbedecke der Taufkapelle), wurde jedoch im 18. Jh. erheblich umgebaut. Neben vergoldeten holzgeschnitzten Barockaltären, wie sie in vielen azoreanischen Kirchen zu finden sind, sind die Gemälde und die Fliesenbilder in den Seitenkapellen besonders beachtenswert. Die sechs Tafelbilder des Hauptaltars stammen von einem unbekannten Künstler, werden aber zuweilen dem Maler Cristóvão de Figueiredo zugeschrieben. Sie stammen aus der ersten Hälfte des 16. Jhs. und gelten als die bedeutendste Renaissance-Malerei der Azoren. Fünf der Tafelbilder illustrieren die Kreuzigung Jesu, was vermuten lässt, dass sie eigens für die Kirche von Santa Cruz geschaffen wurden. Das sechste Tafelbild (zu Pfingsten) zeigt Maria und die 12 Apostel beim Empfang von Licht und Feuer des Heiligen Geistes. Es passt daher sehr gut zum auf den Azoren verbreiteten Heilig-Geist-Kult.

Über das Städtchen wachen drei Kapellen auf dem Monte da Ajuda, dem Hausberg von Santa Cruz. Am interessantesten ist die trutzig wirkende Kapelle Nossa Senhora da Ajuda, die mit ihren dicken, schrägen Wänden und ihrer gedrungenen Form fast wie ein Wehrbau erscheint. Das Gewölbe über dem Altar und die spitzbogige Tür zur Sakristei verraten, dass die Kapelle noch Ende des 15. Jhs. erbaut wurde. Im Inneren sehenswert sind Fliesenbilder von 1751. Auf dem Vorplatz neben der Kapelle steht eine Pilgerherberge, auf der anderen Seite ein alter Walausguck. Grandios ist die Aussicht auf Santa Cruz hinab und über weite Teile der Insel hinweg.

Das Museum von Graciosa ist in einem ehemaligen Kornspeicher, Weinlager und Bootshaus eingerichtet. Zur Ausstellung gehören nachgebaute Zimmer eines typischen Hauses der Insel, landwirtschaftliche Gerätschaften und Walfängerboote.

An der Küste von Santa Cruz, am Wege zum Hafen von Calheta, steht eine kleine Wallfahrtskirche, die der Schutzpatronin der Fischer - Nossa Senhora da Boa Nova - geweiht ist.

 

Graciosa von A-Z

 

Caldeira

Von hohen bewaldeten Hängen umringt öffnet sich der abgeschiedene, durch einen künstlichen Tunnel zugängliche Kraterkessel. Sein Inneres birgt die berühmte Furna do Enxofre („Schwefelhöhle"), eine gewaltige, rund 200 m lange und bis 80 m hohe Höhle, auf deren Boden sich ein 15 m tiefer See aus schwefelhaltigem Wasser gebildet hat. Fürst Albert I. von Monaco, ein großer Ozeanforscher des 19. Jhs., seilte sich 1879 als einer der ersten Besucher in die Höhle ab, die er als „einzigartiges Wunder der Erde" bezeichnete. 1939 wurde der heutige Treppenturm mit seinen 184 Stufen erbaut, der Besuchern den bequemen Zugang ermöglicht. Im Kraterrand der Caldeira verlaufen mehrere Lavaröhren, so die Furna do Abel (Furna da Lava) und die Furna Maria Encantada („Höhle der verzauberten Maria"; auch Furna do Castelo genannt).

 

Carapacho

Nichts erinnert heute mehr daran, dass sich die ersten Siedler der Insel einst in Carapacho niedergelassen hatten. Auch von der alten Festung haben sich keine Spuren erhalten. Bekannt ist das kleine Kurbad mit seinen Sommerhäusern aus dem 19. Jh. heute vor allem wegen seiner 1750 entdeckten Thermalquelle.

 

Luz

In einem Hochtal am Fuße der grünen Steilhänge der Caldeira liegen die weißen Häuser von Luz („Licht"). Die Dorfkirche Nossa Senhora da Luz wurde im 18. Jh. erneuert. Sehenswert sind das Gewölbe über dem Altarraum und der schöne Hochaltar.

 

Ponta da Restinga

Von der Landspitze mit dem Leuchtturm bietet sich ein schöner Blick auf das vor der Küste liegende Felseiland Ilhéu de Baixo.

 

Praia

Die lange Häuserzeile von Praia säumt den namengebenden, weitläufigen Sandstrand. Einige vornehme Häuser und die Kirche São Mateus erinnert an die einstige Bedeutung des kleinen Ortes. Die Matthäuskirche (São Mateus) besitzt schöne Holzschnitzereien und Gemälde. Praia besitzt heute mit dem Cais da Negra den bedeutendsten Hafen der Insel. Vor der Küste liegt die Ilhéu da Praia, ein halb im Meer versunkener Vulkan. Das grüne Inselchen kann mit dem Boot besucht werden.

 

Terra do Conde

Die Terra do Conde (wörtlich "Land des Grafen") ist ein bedeutendes Weinbaugebiet, benannt nach dem Grafen von Simas.

 

 

 

 

 

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Flores

Flores und Corvo, die Westgruppe der Azoren, bilden die westlichsten Vorposten Europas im Atlantik. Eigentlich gehören die beiden Inseln sogar schon zur Neuen Welt, denn geologisch gesehen sitzen sie auf der Amerikanischen Platte und wandern so allmählich gen Westen. Rund 4000 Einwohner hat die 141 qkm große Insel Flores, die ihren Namen („Blumen") der Üppigkeit seiner Pflanzenwelt verdankt. Nicht von ungefähr wächst und gedeiht alles besonders intensiv. Eben noch strahlender Sonnenschein, plötzlich ein kurzer Regenschauer, dann ziehen die Nebel ab und die Landschaft funkelt in unzähligen Grüntönen, aus denen sich das Blauviolett der blühenden Hortensien hervorhebt. Flores ist die feuchteste Azoreninsel, was sich nicht nur an den Niederschlagswerten, sondern auch an der hohen Luftfeuchtigkeit zeigt. Für gewisse Wetterkapriolen, die auch schon mal die SATA warten lassen, ist die wildromantische Naturlandschaft aber mehr als Entschädigung.

Dramatische Küsten, tief eingeschnittene Täler, unwegsame Hochmoore und steil abbrechende Felswände, an denen Wasserfälle hunderte von Metern herabstürzen, wechseln einander ab, unterbrochen von bizarren Felsformationen wie den Basaltsäulen der Rocha dos Bordões. Ursache für diese Vielgestaltigkeit ist die besondere geologische Struktur von Flores, denn anders als auf den übrigen Azoren herrscht basaltisches Gestein vor. Der größte Teil der Insel besteht aus Gesteinen, die über 2 Millionen Jahre alt sind; jünger ist der Süden und Westen der Insel. In den zahlreichen Kratersenken des zentralen Hochlandes, das sich auf durchschnittlich 500-600 m Meereshöhe erstreckt, liegen zauberhafte Seen von stiller Schönheit, die bei dem hier oft herrschenden Nebel fast ein wenig unheimlich wirken.

 

Santa Cruz

Auf einer Küstenniederung an der Ostspitze von Flores, direkt neben dem kleinen Flughafen, liegt Santa Cruz. An der Praça de Marquês de Pombal in der Ortsmitte, wo ein schöner alter Steinbrunnen plätschert, stehen eine bunte Heilig-Geist-Kapelle und das ehemalige Haus der Legats Kapitäne, unter deren Verwaltung die beiden Inseln der Westgruppe früher standen. Dieses einstöckige Gebäude besitzt einen eindrucksvollen Schornstein. Nicht weit vom Platz entfernt erhebt sich die Kirche São Boaventura, die zum ehemaligen Franziskanerkloster gehörte. Die hübsche Barockfassade ist wie bei vielen anderen Franziskanerkirchen der Azoren durch Arkaden gegliedert, durch die man das Gotteshaus betritt. In einer Nische steht die Statue des Schutzheiligen. In der Kirche beachtenswert sind der holzgeschnitzte Hochaltar und die bemalte Zedernholzdecke. Ein Teil des ehemaligen Klostergebäudes beherbergt heute das Inselmuseum.

Die imposante Fassade der Stadtpfarrkirche Nossa Senhora da Conceição mutet barock an, stammt jedoch aus der Mitte des 19. Jhs.. Der dreischiffige Innenraum beeindruckt durch seine Größe. Unterhalb der Kirche liegt der Haupthafen von Santa Cruz; am anderen Ortsende befindet sich der kleinere Porto de São Pedro. Dort steht auch noch die ehemalige Walfabrik.

 

Flores von A-Z

 

Caldeira

Mitten in einem Kraterkessel liegt der halb verfallene Weiler Caldeira, dessen letzte Bewohner 1992 fortzogen.

 

Caldeira Funda

Im südlichen Hochland der Insel liegt der grünliche, von einem dunklen Sandstrand gesäumte Kratersee der Caldeira Funda (22 m Wassertiefe). Ganz in der Nähe liegt die Caldeira Rasa (16 m Tiefe) mit ihrem bläulichen Wasserspiegel.

 

Caldeira Funda

Im zentralen Hochland von Flores am Fuße des Morro Alto liegt die nahezu kreisrunde Caldeira Funda, ein türkisblauer Kratersee von über 100 m Wassertiefe. Ganz in der Nähe überraschen weitere Kraterseen, so die Caldeira Comprida und die mit 2 m recht seichte Caldeira Branca.

 

Cuada

Abgelegen auf einer Anhöhe oberhalb der Ribeira Grande liegt Cuada. Die alten Steinhäuser dieses einstmals verlassenen Weilers wurden liebevoll restauriert und werden als Ferienhäuser an Touristen vermietet.

 

Fajã de Lopo Vaz

Gesäumt von einem teils gerölligen, teils sandigen Strand erstreckt sich an der Südküste von Flores eine einsame Meeresbucht, die nur über einen alten steingepflasterten Fußweg erreichbar ist. Am Fuße von Steilwänden gelegen herrscht auf der Küstenniederung ein nahezu tropisches Mikroklima. Neben anderen Früchten gedeihen hier die besten und größten Bananen der Insel. Der Name der Fajã de Lopo Vaz erinnert wahrscheinlich (wie das Eiland Maria Vaz vor der Nordwestküste) an spanische Siedler, die vor etwa 400 Jahren nach Flores kamen.

 

Fajã Grande

Das Dörfchen Fajã Grande liegt am westlichsten Punkt, der politisch noch zu Europa gehört (einmal abgesehen von Grönland). An der Küste liegt ein kleiner Hafen mit Bademöglichkeit. Wenn man auf dem Sträßchen Richtung Ponta da Fajã die Brücke über die Ribeira das Casas überquert, führt direkt dahinter ein Pfad nach rechts am Bachlauf entlang flussaufwärts. An alten Wassermühlen vorbei kommt man zum Poço do Bacalhau („Wasserbecken des Kabeljaus"). Hier steht man am Fuße eines hohen Wasserfalls, der vom Hochplateau die Steilwand herabstürzt und sich in ein großes Felsenbecken ergießt - nach Regenfällen ein spektakuläres Naturschauspiel.

 

Fajãzinha

Grandios ist der Blick vom Miradouro da Fajãzinha (am Sträßchen von Caldeira nach Fajãzinha gelegen) in den fruchtbaren Talkessel der Ribeira Grande. Im weiten Halbrund ragen grün bewachsene Steilhänge auf, über die hohe Wasserfälle herabstürzen. Umgeben von Terrassenfeldern scharen sich die Häuser von Fajãzinha um die schöne, 1776-1783 erbaute Dorfkirche N.S. dos Remédios. Am kleinen Dorfplatz steht die Heilig-Geist-Kapelle. Unten im Tal strömt die Ribeira Grande, der „große Fluss", dessen Wassermassen schon so manche Brücke weggerissen haben.

 

Fazenda

Auf fruchtbaren Hängen in einer weiten Tallandschaft, eingerahmt von hohen Bergen, liegt das Dörfchen Fazenda - ein alpin anmutendes Panorama. Idyllisch erhebt sich die Dorfkirche N.S. de Lurdes auf einer Anhöhe über den Häusern. Etwas oberhalb von Fazenda liegt das Picknickgebiet Parque Florestal da Fazenda.

 

Lajes das Flores

Lajes, die zweitgrößte Stadt der Insel, liegt im Südosten von Flores. Die Fassade der barocken Pfarrkirche Nossa Senhora do Rosário wurde im 19. Jh. mit Fliesen verkleidet; im Innern überraschen die prunkvollen holzgeschnitzten Altäre. Neben der Kirche steht das ehemalige Haus der Legatskapitäne. Im Ort gibt es einige vornehmere Bürgerhäuser, die vom einstigen Wohlstand des Hafenortes zeugen, sowie mehrere Heilig-Geist-Kapellen aus dem 19. Jh.. Die alte Brücke über die Ribeira dos Morros wurde 1743 erbaut. Unten am Hafen liegt ein Badestrand; auf der anderen Seite befindet sich die ehemalige Walfabrik. Auf einer Klippe an der Südostspitze der Insel steht ein Leuchtturm.

 

Morro Alto

Höchste Erhebung der Insel ist der Morro Alto (914 m). Vom Gipfel, zu dem ein Weg hinaufführt, bietet sich ein großartiger Blick über die gesamte Insel.

 

Mosteiro

Das Dörfchen Mosteiro besteht aus wenigen alten Häusern, die sich um ein Kirchlein und die Heilig-Geist-Kapelle scharen. Der Ortsname („Kloster") bezieht sich vermutlich auf den Anblick einer Felsgruppe am Cabeço do Sinal, die den Ort einst überragte, inzwischen jedoch durch den Steinabbau verschwunden ist. An der Ribeira do Mosteiro unterhalb des Ortes stehen alte Wassermühlen.

 

Poço das Patas

Gleich hinter der Brücke über die Ribeira Grande führt rechts ein Abstecher zum Poço das Patas („Entenweiher"). Dieser idyllische See ist von üppigem Grün umgeben; hohe Wasserfälle stürzen die Steilwand im Hintergrund hinab.

 

Ponta da Fajã

Unverdrossen wacht die Kirche N.S. do Carmo über die wenigen Häuser von Ponta da Fajã. Der Weiler scheint dem gewaltigen Berg in seinem Rücken furchtlos zu trotzen, doch die Häuser mussten nach einem bedrohlichen Erdrutsch am 19. Dezember 1987 auf behördliche Anweisung verlassen werden. Einige Bewohner sind inzwischen wieder zurückgekehrt.

 

Ponta Delgada

Auf einer breiten Küstenniederung an der Nordspitze von Flores liegt das Dorf Ponta Delgada mit seinem bescheidenen Hafen. Eine Stichstraße führt bis zum Leuchtturm an der Ponta do Albarnaz.

 

Ponta Ruiva

Malerisch liegt der Weiler Ponta Ruiva („Rote Landspitze") mit seinen alten Steinhäusern an terrassierten Hängen oberhalb der Steilküste. Südlich davon öffnet sich das tief eingeschnittene, waldige Tal der Ribeira Funda.

 

Porto da Lagoa

Südlich von Cedros führt eine tief eingeschnittene Talschlucht zum Meer. Im Tal werden Bananen und Yams auf fruchtbaren Ackerterrassen kultiviert, vereinzelt verstecken sich Häuser zwischen all dem üppigen Grün. An der Küste liegt die einsame Geröllbucht Porto da Lagoa; davor erheben sich die stehen gebliebenen Klippen eines erodierten Vulkans (Ilhéu Alagoa genannt) aus dem Meer. Diese Klippen dienen einer Kolonie von Rosenseeschwalben(Sterna dougallii ssp. arideensis) als Nistplatz.

 

Ribeira Funda

Zwischen Lomba und Fazenda das Lajes führt eine Straßenbrücke über die Ribeira Funda. Unten im Tal steht eine alte Wassermühle am felsigen Flussbett - ein idyllisches Bild.

 

Rocha dos Bordões

Die Basaltsäulen der Rocha dos Bordões stehen wie Orgelpfeifen an einer steilen Felswand, die oberhalb der Straße zwischen Lajedo und Mosteiro aufragt.

 

 

 

 

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Corvo

Corvo (wörtlich „Rabe", gemeint ist der Kormoran, Corvus marinus) ist die kleinste und ruhigste Azoreninsel - ein einziger grüner Vulkankegel, der verloren im weiten Ozean zu schwimmen scheint. Im Süden, wo die Küste flach ausläuft, liegt Vila do Corvo, die einzige Ansiedlung der Insel. Knapp 500 Menschen leben hier. Das Gefühl von Abgeschiedenheit, das alle Besucher der Insel ergreift, wird beim Blick in den phantastischen Krater noch vom Eindruck des Unwirklichen übertroffen. Kein Zweifel, wer Flores besucht, sollte den Tagesausflug nach Corvo unbedingt einplanen.

 

Vila do Corvo

Vom Hafen klettern die weißen Häuser von Vila do Corvo die Hänge hinauf, krumme Gassen durchziehen den kleinen Ort. Dicht gedrängt stehen die Häuser beisammen, um möglichst wenig des kostbaren Bodens zu bedecken. Die Dorfkirche Nossa Senhora dos Milagres (18. Jh.) birgt ein wertvolles flämisches Gemälde der Muttergottes mit dem Kinde (16. Jh.). Beim Rundgang durch Vila do Corvo fallen die wunderschönen alten hölzernen Sperrriegel auf, die davon zeugen, dass die dörfliche Gemeinschaft stets überschaubar und Diebstahl so gut wie unbekannt war. Drei alte Windmühlen am Ortsrand nahe der Küste sind bis heute funktionsfähig.

 

Caldeirão

Von Vila do Corvo steigt die Inselstraße bis zum Caldeirão empor, dem riesigen Kraterkessel von Corvo. Wenn Touristenboote im Hafen anlegen, wartet meistens ein Minibus auf die Besucher, um sie hinaufzufahren. Gleich am Anfang der Straße bietet sich vom Miradouro do Sítio do Portão ein schöner Blick auf Vila do Corvo und die kleine Hafenbucht. Nach weiterem Anstieg verläuft die Straße durch die Gegend Calçadas („Pflasterwege"). Zwischen den Feldern stehen kleine alte Gebäude aus dunklen Steinmauern, die palheiros („Strohschober"), zur Aufbewahrung von Geräten und Viehfutter. Im Westen erhebt sich der Morro dos Homens (718 m), die höchste Erhebung der Insel. Die Straße endet an einem Aussichtspunkt mit Blick in den Caldeirão. Der riesige Krater misst über 3 km im Durchmesser. Tief unten im Kesselgrund liegen kleine Seen, deren Größe sich je nach Regenfall verändert, der gegenüberliegende Hang ist sorgfältig mit Steinmäuerchen unterteilt, Wolken wallen über den moosgrünen Kraterrand - ein fast unwirkliches Bild von Abgeschiedenheit und Stille.

 

 

 

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